Die Bilder im Text sind von Martin Berrang und Erik Kindermann.
Da war sie noch ganz.
Hier hatte sie dann ein Rad ab.
Begeisterung sieht anders aus.
Aber das Team hat ein Wunder vollbracht.
Lillifee auf der Jagd.
Heftig lädiert und einäugig.
Zu dem Zeitpunkt war es P5.
Warten auf den 2. Stop.
Hier tankt der Chef noch selbst.
Direkt hinter Thomas wieder ins Rennen.
Dann wurde es feucht.
Und nass.
Und zum Schluss gab's wieder Sonne. Bis bald!

Vom Fluch der sechs Stunden.

 

Eigentlich finde ich es genial, das sechs Stunden Rennen. Eigentlich. Zweimal bin ich bis Gestern angetreten und zweimal bin ich unverrichteter Dinge wieder nach Hause gefahren, ohne einen einzigen Renn-Meter. So ähnlich begann auch Gestern der Tag. Aller guten Dinge sind Drei? Genau! Und so habe ich den Fluch Gestern gebrochen, trotz einiger, klitzekleiner Hindernisse.

Freitag Abend sind wir im Forsthaus in Nürburg aufgelaufen. Dort haben wir mit Markus Zander (http://www.zms-picture.de) noch ein Gläschen Cola getrunken und ein wenig geratscht. War schön! Dann ab ins Bett, um am Samstag bereit zu sein.

Samstag Morgen galt der erste Blick dem Himmel über der Nürburg. Nicht gut! Alle erzählen etwas von 50% Regenwahrscheinlichkeit und von Zentimetern an Niederschlag, die innerhalb von Minuten herab prasseln sollen. Bah, alles Schwarzmaler! Ich habe einfach beschlossen, dass wir mal wieder einen herrlich trockenen Tag in der Eifel verbringen!

Frühstück und dann ab in die Box und zum Team. Ich lerne meinen neuen Mitfahrer kennen, Karl-Heinz Willmann. Thomas (Simon) und ich konnten uns nicht einigen, wer zweimal zwei Stunden fährt, also fährt jeder von uns mit einem neuen Partner, und jeder fährt zwei Turns. Eine kurze Diskussion zur Taktik. Ich soll zuerst raus, in drei Runden eine Zeit setzen und dann Karl-Heinz den Rest des Trainings fahren. Es ist Karl-Heinz erstes Rennen im Langstreckenpokal. Er hat jede Menge Nordschleifen-Erfahrung und seine Zeiten sind gut, also hat der Teamchef uns zusammengetan. Papierabnahme, Fahrerbesprechung... ohne besondere Vorkommnisse. Dann ab ins Auto.

Der Rennleiter erwähnte „feuchte Abschnitte", daher bin ich in der ersten Runde erstmal vorsichtig mit den Slicks. Runde zwei gibt es dann eine Runde zur Sicherheit und Runde drei eigentlich Attacke. Eigentlich. Blöderweise hatte ich an einigen entscheidenden Ecken Verkehr und so blieb es bei der „Sicherheits-Zeit". Nun ja... wenn man sieht, dass die Klassen-Pole mit Abstand in der Endabrechnung auch nur für den Platz vor uns gereicht hat, dann sieht man, wie egal das Zeittraining Gestern war. Wir hatten eine Zeit und das Auto war ganz.

In der Zwischenzeit sind Erik und Claudia von den MFSBlern eingetrudelt und wir stehen vor der Box und ratschen über dies und das. Da fällt mir ein... habe ich Ochse Euch beiden eigentlich etwas angeboten? Wir lachen miteinander und ich fühle mich einfach wieder Zuhause mit der „VLN-Familie".

Doch dann kommt der Anruf. Karl-Heinz hat das Auto in seiner ersten Runde in der Eiskurve weggeschmissen. Seine erste Diagnose lautet „Kernschrott" und „nix mehr zu machen". Er hat mich wieder eingeholt, der Fluch der sechs Stunden! Es scheint, als würde ich wieder keinen Meter Rennen fahren. Allerdings habe ich diesmal die Rechnung ohne das Team vom "Team Hoffmann Motorsport" gemacht. Aufgeben gibt’s nicht! Wir warten nägelkauend bis das Auto endlich auf dem Abschlepper reinkommt. Ein Vorderrad ist ab, scheint aber alles reparabel. Aber es wird zeitlich eng werden, wir werden wohl aus der Box starten müssen. Aber ganz ehrlich... ob ich jetzt als Elfter von Vierzehn losfahre oder aus der Box nachstarte, ist mir sowas von egal! Hauptsache wir können fahren.

Die Jungs haben von ca. 10:30 Uhr bis zu den berühmten „5 Minuten vor 12" geschraubt. Ohne Hektik und ohne laute Worte. Einfach präzise und Hand in Hand. Perfekt und getoppt von einer zeitmässigen Punktlandung. Als ich mich am Ende der Boxengasse anstelle brüllt gerade die zweite Startgruppe an mir vorbei. Einen Mega-Dank an das Team! Ohne Euch hätte ich zu dem Zeitpunkt mit einem Hals in der Dimension „Wasserdurchlass, einfach, 4-spurige Autobahn" auf der Tribüne gesessen und dieser Rennbericht wäre recht übersichtlich geworden. Startgruppe drei rauscht vorbei und ich bin mit 8-10 anderen Nachzüglern im Rennen. Rock 'n Roll!

Schon in der Mercedes Arena ist mir klar, dass der Teamchef und ich richtig gepokert haben. Wir haben Slicks montiert. Fast die gesamte V2 ist auf Regenreifen gestartet, ich nicht. Die anderen Nachzügler vor mir wohl auch nicht und so eiern wir alle mehr oder weniger elegant dem Feld hinterher. Noch ist es feucht aber es wird von Meter zu Meter trockener. Eins ist mir jetzt allerdings schon klar: Rekordrunden gibt es Heute keine. Prinzessin Lillifee sieht nach der Notreparatur aus wie eine einäugige und zahnlose Variante von Quasimodo. Aus einem windschnittigen 318er ist ein einseitig mit Tape zusammengeklebtes Auto geworden, das den CW-Wert eines durchschnittlichen, panamesischen Containerschiffs haben dürfte. Und... ich merke es in der Bit-Kurve auf der GP Strecke... schnelle Rechtskurven werden adrenalinfördernd. Spur und Sturz hinten Links stimmen nicht. Die Aufhängung war dazu einfach zu verbogen und zum Wechseln war die Zeit zu kurz. Alles Makulatur! Hauptsache ich fahre!


In Runde drei zeigt sich, dass das Poker-Spiel Früchte trägt. Ich überhole den ersten V2. Meinen Teamkollegen Thomas. Ich muss grinsen. Ich weiss genau, wie er jetzt im Auto sitzt und die Welt nicht mehr versteht, weil ich an ihm regelrecht vorbeifliege. „Tja... 'schhapp Schlickäs, Thomas und Du Regen." In dieser und der nächsten Runde muss fast die gesamte V2 zum Reifenwechsel an die Box und ich gewinne Platz um Platz. Kurzzeitig bin ich sogar mal Dritter! Aber mir ist klar, dass ich den Platz nicht halten kann. Bei 11 Minuten ist Heute Schluss. Beim harten Ankern schaukelt sich das Auto auf und ich habe z.B. am Aremberg und Eingangs Breitscheid ein paar Mal Mühe, auf der Piste zu bleiben. In den schnellen Rechts-Ecken mache ich mir fast in den Fahreranzug. Es ist eine Art waberndes Übersteuern. Das Auto fängt nach dem Einlenken an zu pumpen und irgendwann kommt das Heck. Eingangs Hatzenbach, Flugplatz, Aremberg, die dreifach Rechts... Mann, hat die Nordschleife viele, schnelle Rechtskurven! Und so kommt, was kommen muss... als erstes kommt das Bonk Auto, die 601 von hinten, dicht gefolgt von drei weiteren Top-Autos aus der V2. Nun ist es ein Kampf um Plätze und zum allerersten Mal müssen die Jungs an mir vorbei. Trotzdem mache ich Platz. Es bringt mir ja nichts, sie aufzuhalten und ihr Tempo kann ich nicht mitgehen. Nicht Heute, mit der waidwunden Prinzessin und auch sonst nur mit deutlichen Abstrichen. Ich glaube, die waren alle etwas erstaunt ob der geringen Gegenwehr. Doch dann naht eine Runde später von hinten der Rank-Corsa und ich beschliesse, dass egal wie krank die Prinzessin sich Heute fühlt, wir DEN Platz nun mit allem verteidigen werden, was wir haben! Nicht falsch verstehen, ich habe ihn nicht einmal geblockt. Wäre er nahe genug an mich herangefahren um anzugreifen, hätte ich ihn durchgelassen. Er kam aber nie Nahe genug heran. Der zweite, direkte Zweikampf mit einem Klassengegner Heute und 2:0 für Lillifee!

Mehr Zweikämpfe gab es in meinem ersten Turn nicht. Na ja... schon ein Paar, aber nicht mit V2s. Lillifees Inkontinenz hatte auch etwas Positives: Wenn ich aufgelaufen bin, dann sorgte die Front aus Panzerband für ein unglaubliches Überholprestige! Nach dem Blick in die Spiegel dachten sich die Vorderleute wohl „der macht keine Gefangenen". So schnell war die Bahn vor mir noch nie frei! Hätte ich den Kollegen mit dem Yaris aus meinem letzten Rennen getroffen, dann hätte ich in der Tat auch nicht für das Wohlbefinden seiner Heckstoßstange garantiert. Habe ich aber nicht.

Was dieses Mal gar wunderprächtig geklappt hat, war die durchgängige Versorgung mit kühlem Nass. Nein, nicht von oben, mein erster Turn war bis auf die erste Runde komplett trocken. Im Auto klappte die Bereitstellung des mitgeführten, wässerigen Kaltgetränks. Die Beutel-Konstruktion mit Koljas patentierter „Isa-Racing-Schlüsselband-Aufhängung", ergänzt um einen von mir handverlesenen 2-Meter-Schlauch aus der Baumarkt-Aquaristik-Ecke, tat. Vom Start, bis ins Ziel. Ich werde mir in Zukunft einen neuen gespielten Witz suchen müssen, es scheint als hätte der sich erledigt. Aber ganz ehrlich... ich habe es mir beim Schreiben selber schon nur noch fast geglaubt. Ich trank, freute mich des Lebens und schipperte auf ganz neuen Linien glücklich um die Nordschleife, bis ich ein „Fuel In" gezeigt bekam. Zeit zum Fahrerwechsel!

Karl-Heinz ist dann raus, nachdem ich ihn noch vor Lillifees Rechtskurven-Allergie gewarnt habe und ist von Anfang an recht zügige Zeiten gefahren. Ich mache mich erstmal schlau, ob meine Rechnerei im Auto tatsächlich gestimmt hat. Ja, ich habe das Auto auf P5 übergeben. In zwei Stunden von Platz 14 nach dem Start aus der Boxengasse auf Platz 5. Es scheint, als sei ultimativer Speed eben doch nicht alles. Ich grinse ganz, ganz breit und träume heimlich von einem Pokal.

Draussen vor der Box ratsche ich dann wieder ein wenig mit Claudia und Erik und wir lachen viel. War echt schön, dass Ihr da gewesen seid! Nebenbei noch ein Tellerchen Nudeln, ein Müsli Riegel und 'ne Banane verdrückt, den Wasserbeutel befüllt und es kann wieder losgehen. Die zwei Stunden gingen recht schnell rum, sicher auch Dank Claudia und Erik. Meine persönliche, wie auch Zeitnahme-Chefin kommt und informiert mich, dass das Auto in 20 Minuten kommt. Das ist dann der Punkt, an dem ich anfange mich zu sammeln und zu konzentrieren. Dann ist Schluss mit lustig und ich fahre geistig schon wieder Rennen.

Ich weiss, dass es regnen wird. Ich weiss es einfach. Ein Paar Tropfen, aber nichts Wesentliches. Ich rede mit Conny. Pokern wir nochmal? Wechseln wir jetzt direkt auf Regenreifen? Wir entscheiden uns für Slicks. Trotz der Tropfen. Karl-Heinz kommt, ich steige ein, werde betankt, angeschnallt bekomme mein Durst-Säcklein eingehängt und fahre los. Ich bin direkt hinter Thomas, die beiden Autos sind zeitgleich in die Box gekommen, aber Thomas ist wegen eines gebrochenen Auspuffs eine Runde zurück.

Blöderweise hat Karl-Heinz vergessen, eine Kleinigkeit zu erwähnen. Er war in der Zwischenzeit nochmal eingeschlagen! Die rechte Seite hatte einen weg und das Rad hinten Links stand sonstwo. Sorry... man kann viel mit mir machen, aber einen Fahrer ohne Vorwarnung in so einem Auto raus zu lassen grenzt an versuchte Körperverletzung! Nicht falsch verstehen... das Team trifft keine Schuld. Klar sehen die die optischen Schäden, aber woher sollen die wissen, dass Lillifee ein Rad ab hat? So konnten sie nichts kontrollieren, da sie von nichts wussten. In der Mercedes Arena merke ich, dass die Sitzkonsole gebrochen ist und das linke Hinterrad fühlt sich an, als wenn es sich bewegt. Es ist schwer es präzise auseinanderzuhalten, wenn sich dein Sitz in jeder Kurve bewegt und wir reden hier von Zentimetern und nicht von Millimetern.

Nun gut... es gibt zwei Möglichkeiten: reinfahren und das Rennen beenden bzw. die Jungs überhaupt erstmal nachschauen lassen oder weiterfahren. Ich entscheide mich für's Weiterfahren. Das Auto ist eigentlich unfahrbar und das Schlimme ist, es wurde von Runde zu Runde schlimmer. Ok... ich habe mich entschieden zu fahren, dabei bleibt's! Solange das Auto irgendwie fahrbar ist, fahre ich. Wenn ich das Gefühl habe, dass es gefährlich wird, gebe ich auf. Aber eben nicht vorher. Während ich all das geistig aussortiere bin ich hinter Thomas. Ich muss vorbei. Ich weiss, es klingt völlig bescheuert. Ich fahre ein Auto, dass man eigentlich mit Samthandschuhen ins Ziel trägt und mich interessiert nur, an dem Teamkollegen vorbeizukommen.

Ich grinse plötzlich wieder. Drei Kurven war er jetzt vor mir das reicht. Ausgangs Mercedes Arena bremse ich mich einfach daneben. Der Plan war, ihn bis zur NGK abzuschütteln. Normalerweise kein Problem, aber ich erwähnte ja die leichten Zuckungen in Rechtskurven. Bis zur NGK sind mit einer Ausnahme nur Rechtskurven. Dumm gelaufen! So sind wir Stoßstange an Stoßstange auf die Nordschleife. Sobald ich ausreichend Linkskurven hatte, hatte ich einen kleinen Vorsprung in der nächsten Rechts oder auf der nächsten Geraden war Thomas wieder dran. So ging das, bis wir auf die Döttinger Höhe kamen. Mitten auf der Geraden hat dann einer die Schleusen geöffnet und es kam ein Regenguss vom Feinsten. Null Sicht und plötzlich überall Sturzbäche. Nicht vergessen... wir sind auf Slicks. Ich nehme den Fuss vom Gas, Thomas bleibt drauf und überholt. Ihr kennt das. „Was der kann, kann ich auch." Also wieder drauf. Auf einer der Bodenwellen fängt mein Heck plotzlich an, sich nach Links zu bewegen. Ganz langsam. Ich habe den linken Fuss schon über der Kupplung, lenke gegen und trete die Kupplung. Keine Chance. Ein ein sauberer Dreher und ich sehe wieder das Heck von Thomas. Ich bin deutlich weiter Links als vorher, fahre aber noch, ausserdem in die richtige Richtung und habe nichts getroffen. Jetzt nehme ich Geschwindigkeit raus und fahre ganz, ganz vorsichtig in die Box. Noch mit Ach und Krach durch die Hohenrain Schikane und ich bin drin. Ich fluche vor mich hin. „Wäre ich doch blos mit Regenreifen losgefahren!"

Regenreifen drauf und raus. Thomas war früher drin, aber ich bin eher weg. Was nun kommt ist unbeschreiblich. Ich fahre aus der Box und neben mir kommt der Frikadelli Porsche. Vor mir sind 3-4 Cup Porsche. Vor der NGK sind alle so weit hinter mir, dass ich sie in den Spiegeln nicht mehr sehe. Ich weiss nicht, wieviele Autos ich in den nächsten zwei Runden überholt habe, aber es war einfach nur geil. Es war wie Slalom fahren. Und das Schöne war,... durch den Regen war das Auto besser zu fahren, als vorher. Deutlich besser! Für mich war jetzt klar, dass ich auf den Regen ins Ziel fahre, egal ob es trocknet oder nicht. Ausserdem konnte ich beim Einbiegen in die Mercedes Arena eine Regenfront sehen, die auf uns zu kam. Es musste also noch mindestens einmal regnen. Hat es auch getan... ungefähr vier Runden nach dem ersten Guss, aber leider nicht lange genug. Zu dem Zeitpunkt war ich wahrscheinlich der Einzige im ganzen Feld, der Regenreifen drauf hatte und so bin ich wieder Slalom gefahren, allerdings nur ungefähr eine halbe Runde. Dann wurde es trocken, die Sonne begann zu scheinen und ich zu verzweifeln.

Mein Hauptproblem war mittlerweile der Sitz. In Rechtskurven (wir erinnern uns... die, die eh ganz, ganz toll zu fahren waren) hat sich der Sitz nach Links bewegt, meinen Helm vor den Käfig gedrückt und mein gesamtes Körpergewicht lag dahinter. Zumindest kam es mir so vor. Der Muskelkater, den ich Heute in meinen Nackenmuskeln habe, spricht dafür, dass es auch zumindest annähernd so war. In Rechtskurven konnte ich deswegen meinen rechten Aussenspiegel nicht mehr sehen. Richtig, richtig ungut! Ich hätte fast einen Porsche gerammt, den ich so nicht sehen konnte, als er mich Rechts überholt hat. Tut mir leid, Kollege, es war keine Absicht! Er musste ins Grüne, um mir auszuweichen, hat es aber geregelt bekommen. Ein klasse Stück Fahrkönnen!

Je trockener es wurde, desto höher wurden die Kurven-Tempi und desto mehr verstärkte sich das Problem mit dem Sitz. Ausserdem hatte ich hinten Links keinen Grip mehr. Ich nehme an, dass der Linke hintere Regenreifen durch die verstellte Spur und ohne Kühlung durch Wasser gnadenlos überhitzt ist. Ich habe nur noch mit zwei Fingern gelenkt, trotzdem gab es Ecken in denen ich quer gefahren bin. Zwei Runden vor Schluss bin ich rein, um mir Slicks zu holen in der Hoffnung, dass es besser wird. Mein einziger, wirklicher taktischer Fehler in dem Rennen. Ich hätte mir hinten Links einen neuen Regenreifen holen sollen, statt auf Slicks zu wechseln. Mit Slicks auf der trockenen Piste war das Auto katastrophal zu fahren. Ein Reifen beisst und drei kriegst Du nicht warm, weil Du zu langsam bist. Und dann gab es zu allem Überfluss noch ein Missverständnis. Nach Kallenhard überholt mich der Teamchef im SP5. Er will mich grüssen, macht kurz den Warnblinker an und wackelt mit der Lenkung. Ich denke: „Sch***, jetzt ist irgendwas an der Hinterachse abgerissen und er will Dich warnen." Ich fahre also mit gebremstem Schaum in die Box und lasse die Jungs nachsehen. Ich zu AJ: „Irgendwas ist hinten Links abgerissen, Conny hat mich gewarnt." Die Jungs schauen nach, AJ kommt zu mir und sagt: „Das Rad ist völlig krumm, aber sonst ist nix. Fahr einfach langsam zu Ende." In dem Moment hätte ich explodieren können. Es tut mir leid, AJ! Ich habe mich schon entschuldigt und ich tue es hier nochmal... ich war nicht auf Dich sauer. Natürlich hattest Du keine andere Wahl. Ich habe irgendwas gebrüllt wie: „Einfach? Wenn ihr wüsstet wie Sch*** die Karre sich fährt!" Und die Antwort war: „Dann müssen wir eben aufhören." Das war keine Option! Gang rein und weiter. So kam es zu der letzten Runde, die der ein oder andere vielleicht bemerkt hat.

Liebe Streckenposten: Ich habe die Hand nicht zum Gruß rausgehalten! Ich habe versucht, die Kollegen zu warnen, weil ich in Rechtskurven deutlich langsamer war! Ich hatte hinten nur noch einen Blinker und habe deswegen die Hand aus dem Fenster gehalten. Ein Paar weisse Flaggen wären hilfreich gewesen, anstatt mir freundlich zu winken! Von Vorne habt Ihr doch gesehen, dass ich die Warnblinker anhatte, oder? Wir sollten uns alle darauf einigen, dass das Rennen rum ist, wenn alle über die Ziellinie gefahren sind. Das gilt genauso für die Fahrerkollegen die wild grüssend in der Gegend rumfahren, anstatt auf den Verkehr zu achten! Nach der Ziellinie ist das ok, vorher ist es einfach nur gefährlich!

Nach einer gefühlten Ewigkeit war ich dann endlich im Ziel und im Parc-Fermé. Ich bin ausgestiegen und habe an meinem Sitz gewackelt... wie gesagt... Zentimeter. Ich bin um's Auto gegangen... Rechts tot. Hinten Links tot. Ich war sprachlos, dass mein Fahrerkollege mich so ohne Vorwarnung rausgeschickt hat.

Es war mein härtestes Rennen bisher aber ganz sicher auch mein bestes. Das Auto ins Ziel zu bringen war eine Leistung. Das Auto überhaupt erst ins Rennen zu bringen war eine Leistung des Teams. Es war „nur" Platz 7 in der Endabrechnung, wie gesagt... einen hinter dem Pole-Setter. Aber der siebte Platz hat mehr Schweiss gekostet als das gesamte 24-Stunden-Rennen. Ich bin stolz auf ihn, auch ohne Blech-Topp und stolz auf das Team und deren unglaubliche Leistung. Platz 146 in der Tabelle... direkt hinter Thomas auf Platz 145. Da müssen wir dran vorbei!

 

Hammergutgemacht, Jungs! Und... DANKE!

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