Vor dem Training
Peter im Training
Thomas im Training
Reiner im Training

Die Bilder sind von Martin Berrang. Danke dafür!

 

Die Vorgeschichte zu meinem ersten 24-Stunden-Rennen

 

Zurück aus der Eifel. Zurück von einem Wochenende, dass an Gefühlen so ziemlich alles ausgelöst hat, was man sich vorstellen kann. Es war ganz sicher eines der Rennen, die ich nie vergessen werde. Vielleicht ist das der Grund, warum es bei den 24-Stunden so viele „Wiederholungstäter“ gibt? Ihr wundert Euch vielleicht auch, warum von den versprochenen Live-Berichten plötzlich keiner mehr kam? Nun ja... die Erklärung folgt.

 

Donnerstag Mittag bin ich am Ring aufgelaufen. Erstmal das ganze Team begrüsst und dann das Übliche: Papierabnahme und Klamotten vorzeigen. Danach ins Pressezentrum, damit ich das WLAN dort nutzen konnte. Funzte alles wie am Schnürchen. Fast. Einzig die Tatsache, dass man mich nicht starten lassen wollte wegen zuwenig Nordschleifen Erfahrung, trübte den ersten Eindruck ein wenig. Bei der Papierabnahme bekomme ich zu hören, dass man meine Ergebnislisten sehen will. Äh ja. Habe ich die dabei? Natürlich nicht. Ob ich die Ausschreibung nicht gelesen hätte, fragt mich die nette Dame. Ja, doch, schon. Aber eigentlich ist es Gusto, dass der Veranstalter sich beim nennenden Team meldet, wenn ihm noch Listen fehlen. Und nun? Es fanden sich dann doch noch ein Paar Listen und der Hinweis auf die aktuelle Platzierung in der BFGLMN hat dann gereicht. Puh! Da sah ich mich das erste Mal an dem Wochenende kein 24h Rennen fahren. Es sollte nicht das letzte Mal bleiben.

 

Von diesem kleinen Schreck mal abgesehen, kann man die Organisation des ADAC Nordrhein nur beglückwünschen! Was für eine Veranstaltung und mit was für einer Perfektion durchgezogen. Dafür ein riesen Kompliment! Ok... 30% Pokale ist ein wenig knickerig und bis zum Ende haben Sie es nicht geschafft der Zeitnahme klar zu machen, dass wir a) drei Fahrer waren und b) der dritte Fahrer Thomas Simon war, aber ansonsten... unglaublich was dort auf die Beine gestellt worden ist.

 

Nachdem ich alles erledigt hatte, bin ich zurück zum Team. Hoffmann Motorsport hatte drei Autos genannt. Zwei SP5 M3s und unseren V2. Ausserdem war da noch das Auto der „Memminger“, ebenfalls ein V2 318is. Das Auto hat das Team gebaut aber die Fahrer haben es in Eigenregie eingesetzt. In unserer Box war dann noch ein drittes V2 Auto, nämlich das von Derscheid Motorsport. Da wir auch in der VLN zusammen „wohnen“, machen wir das auch bei den 24-Stunden. Abgesehen davon... es macht einfach immer wieder Spass die Truppe rund um Rolf Derscheid wiederzusehen. Lillifee stand ganz Rechts vorne in der Box. Tief, geduckt, wild entschlossen und bereit für die Schlacht. Extra zum 24-Stunden Rennen hat sie vorne und auf den Spiegeln noch ein wenig Neon-Gelb bekommen, in der Hoffnung, dass unsere Zeitnehmer sie dann besser erkennen können.

 

Ich habe mich dann Donnerstag Abend recht zeitig verabschiedet um noch ein wenig vorzuschlafen. Keine ganz schlechte Idee.

 

Freitag Morgen gab es erstmal Fahrerbesprechung. Da sitzt so ein Motorsport-Niemand wie ich plötzlich im gleichen Raum wie ein Carlos Sainz. Hätte ich meinen Helm dabei gehabt, hätte ich ihn darauf unterschreiben lassen. Hatte ich aber nicht. Die Powerpoint Show zum Thema „liebe Jungs und Mädels... dies ist eine Flagge“ habe ich irgendwie schon 52 bis 12 Mal in der VLN gesehen, also alles beim Alten.

 

Dann ab ins erste Zeittraining. Jeder Fahrer muss gemäß Ausschreibung 2 Zeitrunden fahren, um mehr ging es für uns eigentlich nicht. Wen interessiert bei einem 24-Stunden Rennen schon die Klassen-Pole? Uns jedenfalls nicht. 10 Starter in der V2. Ungewöhnlich wenig in unserer Klasse, aber so ist das bei den 24-Stunden fast immer. Viele V2 Fahrer fahren beim 24-Stunden Rennen auf grösseren Autos. Dafür juckeln dann aber in der SP7 33 Autos rum. Entschuldigung, wenn ich das etwas respektlos schreibe. Wenn ich mit unserem V2 in der Links am Schwedenkreuz an 'nem Porsche vorbeifahre, dann juckelt der rum. Lustig, dass jemand sich die Mühe macht, vom anderen Ende der Welt in die Eifel zu kommen und sich dann aber nicht die Mühe macht sich mal vorher zu informieren, dass die Strecke ein wenig... sagen wir mal... anspruchsvoller ist! Aber Hauptsache der hat bei der Papierabnahme alle Zettelchen dabeigehabt!

 

Unser Plan war, dass jeder von uns dreien seine beiden Pflichtrunden im ersten Zeittraining fährt und wir es dann dabei für das erste Training belassen. Hat nicht ganz funktioniert. Thomas konnte nur eine Runde fahren, dann ist uns die Zeit ausgegangen. Nach dem ersten Training war es Startplatz 6. Völlig ok. Wie gesagt... wir fahren hier ein 24-Stunden Rennen.

 

Der erste Eindruck auf der Strecke war: Horror! Nur Dickschiffe und Boliden. Und einige davon mit Fahrern besetzt die die ganz dicke Brechstange beim überholen benutzen. „Viel Spass als Zuschauer Jungs! So werdet Ihr nicht weit kommen!“ Das waren meine Gedanken bei vielen von denen und bei einigen davon sollte es auch so kommen. Selber schuld! Mein Mitleid hält sich in ganz engen Grenzen. Ein wirkliches Zeitfahren war so völlig unmöglich. Klar... man kann einfach völlig schmerzfrei seine Linie fahren und hoffen, dass der Werks-Django dann doch noch kurz vor dem Einschlag eine Erleuchtung hat, aber sowas ist nicht meins. Und wenn Du im Karussell aussen rumfährst, dann bist Du nicht wirklich auf Zeitenjagd.

 

Zwischen den Trainings war Besuch da. Erik und Claudia von den MSFBlern. Eriks Worte... „na ja... wenn Du nicht zu uns kommst...“, 'tschuldigung nochmal! Und es gab ein bischen Zeit zum selber mal rumlaufen und zum in der Boxengasse sitzen und Menschen gucken. Zwischendurch bin ich dann nochmal nach Koblenz und habe Myra abgeholt, die Lillifee in der Startaufstellung ein wenig fotogener machen sollte und gemacht hat.

 

Im zweiten Training, dem „Nacht-Training“ ist dann erstmal Thomas raus um seine fehlende Pflichtrunde zu fahren. Danach ist Reiner nochmal 2 Runden gefahren und wir haben unserem Prinzesschen eine Pause gegönnt. Ich sollte dann noch eine Runde in der Dämmerung und eine im Dunkeln fahren, um die Zusatzscheinwerfer einzustellen. Danach war Feierabend, weil die Prinzessin ja schliesslich Samstag und Sonntag noch ausreichend Stress aushalten musste.

 

Nordschleife bei Nacht. Sowas von Klasse! Zumindest, wenn man fast alleine fährt, wie bei meinen zwei Runden. Das hat ein Spass gemacht ohne Ende. Ok... ich geb's ja zu... die Zeit war nicht der Brüller, aber ich war auch ein wenig zu sehr damit beschäftigt mir die Fans anzuschauen. Unglaublich! Da fährst Du durch Nebelbänke, weil das Feuerholz wohl ein wenig feucht war. Du fragst Dich, ob die in der hohen Acht wohl ein eigenes Kernkraftwerk für die ganze Beleuchtung mitgebracht haben und in der Dämmerung siehst Du noch die BMW Fahnen, die selbst bei einem V2 noch geschwenkt werden. Das gibt Gänsehaut! Einfach genial. Es war alles eingestellt, Lillifee war vom Team 1a vorbereitet, also machen wir Feierabend.

 

Auf dem Weg zum Auto dann die Katastrophe: Unser Auto steht auf B2. Ich laufe auf einen dieser Flutlicht Masten zu, der mich blendet. Ich sehe den Bordstein nicht, knicke mit dem Fuss um und falle hin. Alles kein Problem, hätte ich nicht im Moment des Umknickens ein deutliches Krachen aus meinem Fussgelenk gehört. Der Schmerz der folgt, lässt nix Gutes ahnen. „Irgendwas ist da eben kaputt gegangen.“ Und der nächste Gedanke: „Das war's mit dem Rennen.“ 8 Monate Vorbereitung für nix wegen eines lausigen Bordsteins und eines Flutlicht-Masten. Die Worte, die Dir da durch den Kopf gehen, filtert jede Foren-Software raus!

 

Ich bin erstmal zum Auto gehumpelt. Was nun? Klar: Medical-Center. Einfahrt ins 24-Stunden Fahrerlager ohne Einfahrtsschein? Vergiss es! Aber die Menschen an der Fahrerlager Einfahrt haben das Problem verstanden. Fahren ging. Halbwegs. Laufen konnte ich nicht mehr. Sie haben mich auch ohne Einfahrtsschein durchgelassen. Ganz schnell und problemlos. Dafür nochmal einen riesen Dank! Im Medical-Center gab es eine erste Untersuchung, ein bischen Salbe, einen Verband und die Adresse des Adenauer Krankenhauses. „Das muss geröntgt werden.“ Na toll. Es ist 23:30 und eigentlich wollte ich jetzt schon im Bett liegen um noch einmal vor dem Rennen zu schlafen. Also ab nach Adenau.

 

Auf der Fahrt der erste Versuch: Rennmässiges bremsen? Keine Chance. Ich habe irgendwie zuwenig Kraft im Fuss und es tut weh. In Adenau angekommen erstmal röntgen und dann ein lustloser Arzt. Gebrochen ist nichts, es kann aber ein Bänderriss sein, dass wäre aber jetzt wegen der Schwellung nicht feststellbar. „Rennen fahren? Das können Sie vergessen! Geht gar nicht. Schaffen Sie nie. Maximal drei Runden, dann hören Sie wegen der Schmerzen freiwillig auf.“ Es ist schwer zu beschreiben, was einem bei solchen Worten durch den Kopf geht. Ich bekomme nochmal einen Salben-Verband, eine Luftpolster-Schiene und darf gehen.

 

Ich stehe um zwei Uhr Morgens in der kühlen Eifel-Nacht und mir ist blos zum heulen zumute. Die Team-Chefin und der Team-Chef haben ihre Handies ausgeschaltet. Ich könnte den beiden und meinen Fahrerkollegen eine SMS schicken. Könnte ich. Aber wozu? Damit Heute Nacht keiner schläft? Zu ändern ist jetzt ohnehin nix mehr. Wir müssen Morgen Früh schauen was nun passiert.

 

Gegen 7:30 habe ich den Vieren dann eine SMS geschickt und keine 5 Minuten später ist meine Team-Chefin am Telefon. Ich soll so schnell wie möglich ins Fahrerlager kommen, damit wir diskutieren wie es jetzt weiter geht. Nach der Aussage des Arztes ist mein Rennen gelaufen. Die möglichen Alternativen lauten: wir versuchen, dass der Rennleiter uns ausnahmsweise einen Ersatzfahrer nennen lässt (womit ich raus bin) oder die anderen beiden Fahrer fahren zu zweit.

 

Gegen 10:30 bin ich endlich im Fahrerlager. Die Fahrt dahin war ok, laufen ist eine Qual. Die Diskussionen, die dann folgen, lösen alles mögliche aus. Mein Rennen ist rum. Irgendwann sitze ich in der Ecke und heule wie ein Kind. Da stehst Du so kurz davor einen Traum wahr werden zu lassen und dann... gähnende Leere.

 

Aber dann folgt das, was eben ein echtes Team ausmacht. Kolja, einer der Mechaniker hat die geniale und rettende Idee. „Hier muss es doch irgendwo einen anderen Arzt geben.“ Klar. Die Werks-Truppen haben mit Sicherheit Leute dabei. Also ist Kolja los um zu schauen wen er findet und Myra ist zu VW um zu sehen, ob die jemanden haben. Aber es sollte alles in der VLN Familie gelöst werden. (Trotzdem nochmal einen riesen Dank an VW Motorsport, deren Physio-Therapeut später extra noch zu uns kam um sich meinen Fuss anzusehen!) Mathol hatte einen Physio-Therapeuten dabei und der hat sich die Beschehrung angesehen. „Kein Problem, das kriegen wir hin.“ Für die Worte hätte ich den Mann (er heisst übrigens Thomas) küssen können. Er schlägt vor den Fuss zu tapen und meint, dass das so gehen müsste. Vor jedem Stint soll ich zu ihm kommen um erneut getaped zu werden und nach jedem Stint soll ich das Tape abmachen. So machen wir das. Wir machen einen Termin aus (da er eigentlich gerade einen der Fahrer von Mathol massiert) und ich sehe zum ersten Mal an dem Tag einen Silberstreif am Horizont. Als ich wieder vor unserem LKW stehe, sehe ich eine Frau mit einem T-Shirt. Cornelia, die „Landärztin“. Ich halte sie an und erkläre ihr kurz das Problem. Es ist halt die Frage: was fange ich mir möglicherweise an Folgeschäden ein? Wie unvernünftig ist das, was ich jetzt vorhabe? Werde ich zu einer Gefahr für mich oder die anderen Teilnehmer? Sie bestätigt Thomas Einschätzung. Damit steht mein Entschluss fest. Ich fahre. Mein Handy klingelt, die Team-Chefin ist dran. Sie steht beim Rennleiter und will jetzt wissen, wie meine Entscheidung lautet. Entschuldige Iris, der Weg war umsonst, ich fahre.

 

Es bleibt blos eine Unsicherheit... überschätze ich möglicherweise meine Leidensfähigkeit? Es gibt nur einen Weg das noch auszuprobieren. Reiner fährt den Start und daran will ich auch nix ändern. Ich finde startfahren nervig. Nicht wegen der Zweikämpfe, die machen Spass, sondern wegen diesen nie endenden Einführungsrunden. Ich meine das nicht böse, ich freue mich wirklich über jeden Zuschauer! Aber wenn ich angeschnallt im Renner sitze will ich fahren und keine Parade-Runden drehen. Ist einfach so. Die einzigen Meter zum testen ist also der Weg in die Startaufstellung. Ich fahre das Auto raus und probiere in den Paar Kurven auf dem Weg dahin ob es mit dem Tape geht. Und es geht! Thomas hatte und hat Recht. Sein Tape war phantastisch und das bischen Rest-Schmerz hat dann später das Renn-Adrenalin erledigt. Adrenalin ist nunmal eines der wirkungsvollsten Schmerzmittel. Um es vorweg zu nehmen... ich bin 4 x 2 Stunden gefahren. Also... lieber Klinik-Arzt der Adenauer Notaufnahme... man nennt sowas wohl eine Fehleinschätzung!

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