Reiner fährt den Start
Thomas im Rennen
Peter in der Nacht
Nacht Stillleben
Thomas in der Nacht

Die Bilder sind von Martin Berrang und von Miri (bzw. Nadine mit Miris Kamera). Danke dafür!

 

Das Rennen

 

Wie gesagt, Reiner ist den Start gefahren, danach Thomas den zweiten Turn, ich dann den dritten. 19:00h – 21:00h war ich das erste Mal dran. Was machst Du in der Zeit? Warten. Dummes Zeug erzählen. Es war blos kaum jemand da, der einem zugehört hätte. Ein grosser Teil unserer Jungs lag hinter dem LKW in unserem Teamzelt unter dem „ungarischen“ SP5 M3 (darauf fuhr eben ein rein ungarisches Team) und war dabei den Motor umzubauen. Denen war im Zeittraining der Motor hochgegangen und die hatten sich Samstag Morgen dann doch entschlossen zu fahren. Am Mittag war ein (Serien) Spenderherz gefunden, dass aber erstmal aus dem Serienauto raus musste, um in den Emme eingepflanzt zu werden. Gute vier Stunden haben die Jungs mit Hochdruck geschraubt. Es ist ja auch nicht so, als ob ein Serientriebling so einfach in einen SP passen würde... da sind ja tausend Anschlüsse geändert, sowas muss alles erst umgebaut werden. Nach ungefähr eineinhalb Stunden dann das gleiche Gewusel in der Box. Das Derscheid Auto steht und wird beschraubt. Die nagelneue Kupplung hat sich einfach aufgelöst. Rolf und seine Mannen verlieren über eine Stunde.

 

Bei uns läuft alles nach Plan. Reiners Zeiten sind von Anfang an gut und konstant. Nach 10 Runden ein recht ereignisloser Wechsel auf Thomas und weiter geht’s. Thomas fährt auch 10. Etwas langsamer als Reiner aber genauso konstant. Dann bin ich endlich dran. Rein ins Auto, die Jungs schnallen mich fest, die Chefin hält mir meinen Trinkschlauch hin, den ich in den Mund stecke, währenddessen wird getankt und ich lasse mir die Spiegel einstellen (elektrisch verstellbar wäre echt praktisch). Ich bekomme das Zeichen und fahre los. Kurz den Innenspiegel... äähhh... da wo der eigentlich sein sollte ist ein Knubbel wo mal ein Spiegel war. Nochmal schauen... der Rechte ist dran, der Linke ist dran, egal... wer braucht Innenspiegel? Gurte nachziehen.

 

Das Ende der Boxengasse ist erreicht und ich bin im Rennen. Es folgt GP lang. Ja. Diese komische Kurzanbindung vom Castrol-S zur Conti Spange... was für ein bescheuertes Gehacke! Mit dem Ding bin ich das ganze Rennen über nicht warm geworden. Durch das Ding finde ich keine Linie egal wie ich sie anfahre. Entweder Du kommst in den Dreck oder Du überfährst diesen komischen grünen Belag, der ungefähr den Reibwert von Käsekuchen hat. Wo auch immer ich rumgefahren bin, ich hätte auch aussteigen und das Auto einfach über die Leitplanke heben können, dass wäre ganz sicher schneller gewesen! Die Ford Kurve dagegen ist witzig... hängt leicht und man kann da sicher ganz prima lustiges Leistungsübersteuern für die Fans zaubern. Wenn man denn Leistung hätte. 140PS stehen solchen Vorhaben als eine Art natürliches Stabilitätsprogramm entgegen. Die Dunlopkehre... 180° und ganz klassisch zu fahren, aussen, innen, aussen. Wie langweilig! Dann den Berg hoch (begleitet von dem dringenden Wunsch nach zwei Turboladern) und den Rest kennen wir. Achso... nicht ganz. Die NGK fahren wir in der MotoGP Variante. Echt scharf! Vierte Welle fast ausgedreht. So machen Schikanen Spass! Sollten wir in der VLN so lassen! Und dann das erste Mal raus auf die Schleife.

 

Was mir im Nachttraining schon aufgefallen ist und was wirklich irritiert: einige Fans haben gelbe Rundumleuchten auf irgendwelche Bauten geschraubt. Hmmmpf. Nix gut sein, Jungs! Blinkendes, gelbes Rundumlicht heisst „Achtung Gefahr“ und ist entweder an einem Staffelfahrzeug befestigt oder ersetzt einen Posten an einer Stelle wo es zu gefährlich wäre einen zu platzieren. Sinnloses, gelbes blinken ist also nicht wirklich sinnig und im Gegenteil völlig uncool. Blinkt grün, lila, pink oder sonstwas. Von mir aus auch blau. Aber doch nicht gelb in Streckennähe! Im Hatzenbach hat mich das in jeder Runde irritiert und Ausgangs Pflanzgarten genauso.

 

Ich überlege, wie es meinem Fuss gerade geht. Ich spüre nichts was störend wäre. Gut so! Das erste, was mir „draussen“ auffällt ist die Neigung zur Klumpenbildung. Der typische 24-Stunden-Teilnehmer sucht anscheinend die Nähe anderer und fährt gerne in kleinen Gruppen von 5-10 Autos. Keine Ahnung warum. Vielleicht fürchten sie sich alleine im Wald? Platz machen ist dadurch einfach nervig. Wenn Du einmal von der Linie runter bist, kommst Du nicht mehr drauf. Ich bemühe mich redlich keine schnelleren aufzuhalten aber einige der Herrschaften würden das Wort „Miteinander“ noch nichtmal verstehen, wenn man ihnen 'ne Zeichnung dazu machen würde! Wie gesagt... erste Runde und ich bin mittlerweile am Schwedenkreuz angekommen. Irgendwas in mir seufzt und ich beschliesse, dass das lange 9 Runden werden. (Ich habe mir heimlich von der Teamchefin eine weniger erschlichen, weil ich den Fuss nicht gleich beim ersten Turn überbelasten wollte. Aber Schhhhh... das weiss niemand!)

 

Was noch auffällt... Du erkennst die Gelegenheits-Nordschleifenfahrer vor allem daran, dass sie Überholvorgänge an Ecken probieren wo es einfach nicht geht weil schlicht kein Platz ist. Wer in der Fuchsröhre meint, dass ein Auto im Begrenzer in der Senke mal kurz nach Rechts von der Linie fährt oder wer versucht in der Schikane am Adenauer Forst an einem Auto vorbeizufahren der hat irgendwas nicht ganz richtig verstanden. Das rot-weisse Zeug Rechts und Links sind „Curbs“ und drüberrumpeln macht dem Auto Aua. Tja... da haben die Kollegen was gelernt.

 

Irgendwann gewöhnt man sich an das Gegurke in dem ganzen Verkehr. Ab meiner vierten Runde bekomme ich ein schleichendes Problem das immer heftiger wird. Ich habe immer weniger Bremswirkung. Kein Fading das fühlt sich anders an. Es ist einfach merkwürdig. Hinzu kommt ein Schlagen beim bremsen, dass immer schlimmer wird. Ich werde von Runde zu Runde langsamer. Ich habe auch von Runde zu Runde weniger Vertrauen in meine Bremse. Trotzdem, den Stint ziehe ich durch. Kein unnötiger Stop! Es muss die sechste oder siebte Runde gewesen sein, da hätte ich beinahe diese komische „ich-finde-da-keine-Linie“ Ecke Ende Start-Ziel abgeräumt. Ich bremse bei 100 und es passiert erstmal nix. Mit erhöhtem Druck blockiert erst ein Rad Vorne und dann bleiben beide hinten stehen. Lillifee beschliesst plötzlich nach Links abzubiegen aber ich halte das für keine gute Idee. Wir einigen uns auf eine Art Kompromiss. Leider bin ich jetzt komplett am Einlenkpunkt vorbei und muss sehen, wie ich wieder in den fliessenden Verkehr komme. In der nächsten Runde zeigt mir die Box „Pit-In“. Danke! Als hätten sie's geahnt. Als ich reinkomme sage ich Conny, dass die Bremsen a) schlagen und b) kaum noch bremsen. Die Jungs wechseln Vorne die Scheiben und Beläge und Reiner kann wieder raus. Als Conny mir die Beläge zeigt sieht es aus, als wären die eigentlichen Beläge von den Trägerplatten geschmolzen. Keiner hat so Recht eine Erklärung dafür. Vielleicht war ich in den ersten 3-4 Runden wegen des Fusses zu zaghaft und habe dabei die Bremse vertoastet. Das wäre zumindest eine plausible Möglichkeit.

 

Jetzt habe ich erstmal Durst. Ich hatte zwar einen wundervollen Camelbak mit 1,5 Litern feinsten, gekühlten Wassers am Sitz hängen... ich hatte ja am Anfang auch den Schlauch dazu im Mund... aber nachdem ich ihn ausgespuckt hatte, war er weg. Der Schlauch. Das Wasser ist jedenfalls nach zwei Stunden im Auto immer noch kühl. Immerhin ein Trost: hätte ich trinken können, es wäre kühl gewesen. Nachdem der Durst gestillt ist, versuche ich das Tape abzupopeln... ohne Erfolg. Hartnäckiges Zeug! Ich ziehe meinen zweiten Fahreranzug an und lege mich ein wenig zum dösen hin. Der Termin mit dem Physiotherapeuten ist gemacht und der Turn von 1:00h bis 3:00h kann kommen.

 

Ich werde wach, als ich im Unterbewusstsein Reiners Stimme höre. Das Auto ist ok, er fährt jetzt ins Hotel, Thomas ist auf der Strecke. Es ist kurz vor 12:00h und ich versuche erstmal wach zu werden.

 

Ich quäle etwas essbares in mich rein (nein, das ist keine Kritik an der Küche... essen um 12:00h Nachts entspricht einfach nicht wirklich meinem Bio-Rhythmus) und humpele zu Thomas, um mich neu tapen zu lassen. Eine halbe Stunde vor Beginn meines Turns sitze ich in der Box und frage mich, was ich hier eigentlich mache. Ich könnte jetzt zuhause in meinem Bettchen liegen. Schön kuschelig. Selig schnarchen. Stattdessen sitze ich hier in der Box und lasse mir die Ohren volldröhnen. Wir sind wohl gerade Vierte.

 

Thomas kommt rein, wir wechseln und ich klemme mir als erstes den Schlauch unter den Gurt. Nicht nochmal einen Trocken-Turn! Der Innenspiegel ist immer noch weg. Gut so! Denn jetzt werde ich jede zusätzliche Reflektion verfluchen. Reifenwechsel, tanken und ab. Lillifee ist inzwischen eine Mobilsauna geworden. Alles an dem Auto fühlt sich an, als wenn es glüht. Selbst das Lenkrad ist warm. Kein Wunder, seit zehn Stunden grapschen ohne Pause verschwitzte Hände an ihm rum. Wir haben keine Armaturenbrett-Beleuchtung mehr. Wenn es mehr nicht ist, damit kann ich leben. Im schlimmsten Fall komme ich rein, wenn die Sprit-Lampe leuchtet. Bei der ersten Vorbeifahrt an der Box suche ich unsere Tafel. Die Tafel hab' ich... aber lesen kann ich nix. Egal.

 

Jetzt ist überrundet werden eine Qual! Die meisten grossen Autos machen die Fern- und Zusatzscheinwerfer nicht mehr aus. Du wirst stellenweise derartig geblendet, dass die Augen schmerzen. Ganz übel ist der Lambo! Ich sehe ihn kurz vor der hohen Acht angestürmt kommen und Eingangs Hohe Acht muss ich fast anhalten, weil ich nichts mehr sehen kann. Seine Lampen sind so grell, dass mein Auto einen riesigen Schatten wirft. Es kommt mir vor, als wäre mein eigenes Licht gerade ausgefallen. Wirklich grausam! Ganz ehrlich... man kann alles übertreiben, soviel Licht braucht kein Mensch. Falls doch, solltet ihr eher über Hunde und Armbinden mit gelben Punkten statt über Scheinwerfer nachdenken! Dagegen ist selbst der Manthey Porsche harmlos und dessen Beleuchtung würde schon ausreichen, um die Notbeleuchtung des Frankfurter Flughafens zu ersetzen. Ich meine mich zu erinnern, dass im Reglement etwas von sechs Scheinwerfern stand. Entweder irre ich mich oder die Hälfte der Teams, die die Top 40 Autos stellen kann nicht zählen. Ich finde es unnütz und gefährlich. Auf der einen Seite rumheulen, dass wir Zwerge die grossen Autos ausbremsen aber dann mit diesem Unfug dafür sorgen, dass genau das passiert. Wozu? Damit Ihr hinterher noch lauter jammern könnt? Das Wort „Mit-einander“ beinhaltet etwas von „gemeinsam“. Soll heissen „beide Seiten tragen etwas bei“. Wozu eine Flutlicht Beleuchtung mit einem Kilometer Reichweite? Wenn wir die Döttinger Höhe und die Start-/Ziel mal aussen vor lassen, wo braucht ihr die Leucht-Reichweite denn? Zum ersten Mal seitdem ich auf der Nordschleife fahre, habe ich einen echten Hass auf die meisten Kollegen die gerade in den grossen Autos unterwegs sind! Und ich schwöre mir etwas... sollte ich '09 das 24-Stunden-Rennen fahren, dann wird das Heck des Autos mit reflektierender Leuchtfolie beklebt. Dann blenden die Lichtkünstler sich gleich selbst mit. Wer schon mal mit Bi-Xenon ein grosses, blaues Autobahnschild angestrahlt hat, der kennt den Effekt. Eine ganz rühmliche Ausnahme bei den schnellen Autos fällt mir gleich zweimal in dem Turn auf: Der Wochenspiegel Porsche. Das Auto blendet ab, wenn es von hinten kommt und wenn Du Platz machst, kommt die Hand zum Dank aus dem Fenster. Dafür ein grosses Dankeschön! Dafür mache ich Euch gerne Platz! Viele der kleinen und mittelgrossen Autos agieren genauso. Von den Mathol Hondas z.B. bedankt sich jeder, wenn Du ihm Platz machst, der oder die grünen Civics genauso. Bei den Jungs aus der eigenen Klasse ist es eh so. Na ja... bei fast allen. Und die meisten von denen, die Civics, wie die eigenen Autos finden tatsächlich den Hebel der das Fernlicht abblendet, wenn sie hinter einem sind. Kann es vielleicht sein, dass der Hebel in den SP7/SP8 aus Gewichtsgründen garnicht verbaut ist? Ja... ich weiss... der Punkt war jetzt klar und deutlich kommuniziert, aber genau so wie ich mich jetzt in Rage geschrieben habe, sass ich auch vor Wut kochend im Auto! Zurück zu dem Turn...

 

...Tropfen auf der Scheibe. Mist, da verliert einer Wasser. Blos... vor mir ist keiner. AAARRRGGGHHH! Es fängt an zu tröpfeln. Das brauch ich jetzt wie ein Loch im Kopf! Ich bin müde, die Augen tun weh und jetzt auch noch das. Die Welt ist so ungerecht! Zwei Runden lang ist nichts ausser einzelnen Tropfen, dann wird es immer stärker. Vom Gefühl her müsste ich jetzt in meiner fünften oder sechsten Runde sein. Zu früh für einen Stop. Auf der Döttinger Höhe ist es nass. Die GP genauso. Dieses grüne Zeug in meiner Hass-Ecke Ende Start-/Ziel? Wie Schmierseife. Eingangs Hatzenbach geht ein Porsche an mir vorbei und er rutscht fröhlich untersteuernd auf den Aussencurb zu. Nicht nur er... ich gleich mit. Ein Geeiere sondergleichen. Plötzlich habe ich Leistungs-Übersteuern. Eigentlich witzig aber jetzt gerade hab' ich gar keinen Spass dran. Das sind die Verhältnisse wo ich dann immer froh bin das es doch nur 140 PS sind. Jetzt möchte ich um kein Geld der Welt 400 oder mehr PS an den Antriebsrädern haben! So richtig nass ist es aber noch nicht. Wieder GP und es fängt an zu schütten... so kommt es mir jedenfalls vor. Ich überlege ob ich über die GP Strecke reinfahre und Regenreifen hole. Nein, ich mache es nicht. Es nutzt ja nix, wenn es nur hier regnet. Ich muss einmal rum, damit ich sehen kann, wie es auf der Nordschleife mittlerweile aussieht. Ja, es schüttet überall. An einigen Ecken steht das Wasser. Man könnte noch mit Slicks weiterfahren, man kann dabei aber auch heftig das Auto verbiegen. Wir haben vorher besprochen, dass wir keine Risiken eingehen. Daher komme ich eine Runde zu früh in die Box und sage Reiner und dem Team, dass sie Regenreifen montieren sollen. Damit ist mein Nachtturn eins früher rum. Ich könnte nicht behaupten, dass ich traurig darüber bin! Ich gehe ins Zelt, rolle die Luftmatratze und den Schlafsack aus und schlafe erstmal 2 Stündchen.

 

Als ich aufwache ist es wieder hell. Es regnet aber noch. Ich gehe eine Katzenwäsche machen und frühstücke. Cornflakes und eine Banane. Es ist kurz nach 6:00h. Gegen 7:00h übernehme ich wieder. Nach der Nacht habe ich ein etwas mulmiges Gefühl. Wann fangen die Attacken an? Aber ein Blick auf den Monitor in der Box zeigt, dass die Gefahr gering sein dürfte. Vorne sind die Plätze eigentlich bezogen. Wir sind fünfte aber die Derscheid-Truppe kommt mit riesen Schritten. Gegen Rolf und seine Mannen haben wir nicht den Hauch einer Chance. Ansonsten ist unsere komplette Klasse noch im Rennen. Nicht ein einziger Ausfall. Wer also bei den 24-Stunden immer schon mal ins Ziel kommen wollte: V2, da wird Ihnen geholfen! Irgendwann signalisiert die Chefin, dass es Zeit wird. Ich setze den Gehörschutz ein und ziehe mir den klammen, müffelnden Helm über. Stehe da und sehe die feuerfeste Maske in meiner Hand. Äh ja. Die ersten Ausfall-Erscheinungen. Helm wieder ab, Maske an, Helm wieder auf. Trinkbeutel kontrolliert, Handschuhe an und wie auf Kommando erscheint Reiner. Diesmal mit Innenspiegel. Heisa. Keine Ahnung, wo der herkommt aber schön, dass er da ist. „Einmal die kleine Inspektion und volltanken, bitte!“ Ich bin wieder unterwegs.

 

In der zweiten und vierten Runde erstmal gleich zwei riesen Unfälle mit viel Gelb. Aber ansonsten... entspanntes fahren wie bei den RTS Drivers Days. Viel Platz und alle sind plötzlich herrlich entspannt. Der Manthey Porsche blinkt zwar immernoch ganz hektisch wenn er kommt, aber in dem Moment wo er neben Dir ist merkst Du, dass die kein Risiko mehr eingehen. In den Kurven lassen die sich Luft und dem Rest des Feldes damit auch. Schön. Warum kann das nicht immer so sein? Es ist übrigens wieder ein Sahara-Turn. Gleich nach dem Einsteigen den Schlauch noch ein Stück gezogen um ihn unter den Gurt zu stecken. „Fump“. Hinten an dem Schlauch ist eine Schnellkupplung. Da, wo er an dem Sack hängt. Die ist beim ziehen aufgegangen. Ist aber nicht wirklich schlimm. Ich weiss ja jetzt, dass Durst nur ein Gefühl ist und ich auch ganz gut zwei Stunden ohne etwas zu trinken auskomme. Meine Zeiten werden schneller. Die einzige Besonderheit in dem Turn war ein „Duell“ mit einem Audi A3. Wenn ich mich recht entsinne begann es im Schwalbenschwanz. So genau weiss ich es nicht mehr. Ich weiss, ich bin irgendwo aussen an ihm vorbei und das hat wohl seinen Ehrgeiz geweckt. Jedes Mal, wenn es geradeaus ging, hat er mich wieder überholt und in der nächsten Ecke bin ich wieder vorbei. Alles schön und witzig aber in der Dunlop Kehre wurde es langsam nervig. In der Michelin Kurve habe ich mich verbremst und im Bit Bogen wollte er schon wieder. „Vergiss es, jetzt ist Schluss mit Lustig. Du stehst mir nicht im Hatzenbach im Weg rum!“ plötzlich hatte ich einen 318 mit Überbreite. Und ab dem schnellen Rechtsknick im Hatzenbach war er tatsächlich weg. Endgültig. Ich habe nix gegen Rennen, auch nicht gegen Rennen mit Gegnern die gar nicht in meiner Klasse fahren. Aber wenn das Rennen daraus besteht, dass ich auf der Bremse und in den Kurven das Auto quäle und der andere auf der Geraden vorbeifährt, um vor der nächsten Ecke min. 50 Meter zu früh zu bremsen, dann macht mir das nicht wirklich Spass. Vor allem dann nicht, wenn bei so 'nem Mist immer das Risiko besteht, dass man sich touchiert und 6 Stunden vor Schluss die Kiste raushaut. Ansonsten? Sabine (Hogreve) hatte Dienst. Eingangs Start-/Ziel. Beidhändige Kusshände, das nenne ich mal motivationsfördernd! Und noch dazu ein riesen BMW Plakat. Ok, ich heisse nicht „Hugo“ aber die Kusshände haben das lässig wettgemacht! Nach 10 Runden, die wirklich gut zu fahren waren, stehe ich wieder in der Box. Na ja... auf dem Weg dahin habe ich noch etwas gewonnen. 30 kostenlose Sekunden für's randalieren in der Boxengasse. 80Km/h waren es, als ich es gesehen habe, war es wohl auch schon bei der Rennleitung registriert. Ooops. 'tschuljung!

 

Jetzt esse ich erstmal etwas warmes und trinke. Nochmal eine Stunde dösen und wieder in die Box. Es scheint nochmal eng zu werden. Die Jungs hinter uns drängeln. Daher drehen wir die Reihenfolge. Eigentlich wollte und sollte ich den Schlussturn fahren aber der Teamchef schickt mich mit dem Auftrag raus, den Platz zu halten. Reiner hat seine vorgeschriebene Ruhezeit noch nicht rum, daher soll ich Thomas ablösen. Nix war es mit Schlussturn. Schade! Aber wir sind hier um Rennen zu fahren und wir verlieren keine Position in den letzten 3 Stunden! Also auf zum Hallali!

 

Mein letzter Turn war Klasse. Ich habe nur noch dann Platz gemacht wenn ein Auto deutlich schneller war. Das merkst Du sofort an den Zeiten. 2. Runde, Ende Start-/Ziel werde ich übermütig und lege einen wilden Stunt auf's Parkett. Heck Links, Heck Rechts... auerhauerha... da ist diese Leitplanken-Zunge... irgendwie dran vorbei. Nee... 75m reichen zum bremsen nicht ganz. Danach bin ich zwar zügig gefahren, habe mir aber noch einen Tick Luft gelassen. Gegen Ende des Turns sieht man immer mehr zusammengenagelte Autos. Panzerband scheint das Ersatzteil der letzten Stunde zu werden. Dann kommt das „Pit-In“ und mein 24-Stunden-Rennen ist vorbei. Natürlich ist es noch nicht vorbei, aber fahren werde ich nicht mehr. Reiner geht für vier Runden raus.

 

Am Ende war es der 6. in der Klasse und Rang 94 im Gesamt. Für das erste Mal absolut zufrieden, alle selbst gesteckten Ziele erfüllt. Meine schnellste war 6 Sekunden langsamer als Reiners, auch ok. Ansonsten waren die Zeiten konstant und renntaktisch habe ich uns in meinem Nachtturn einen überflüssigen Stop erspart. Die 30 Sekunden Zeitstrafe waren ärgerlich und hätten nicht sein müssen!

 

Richtig Klasse war die Dusche vom Team, nachdem wir im Ziel waren. Bier statt Sekt, aber davon min. 'ne Kiste. Liebe technischen Kommisare der VLN: Nein, ich bin nicht hackebreit, wenn ich in meinem Fahreranzug zum nächsten Rennen antrete... es ist einfach so, dass zwei Wäschen den Geruch bisher nicht besiegt haben. Macht aber nichts! Ich habe mich riesig darüber gefreut wie die Jungs sich mit mir gefreut haben. Samstag Morgen dachte ich noch, ich würde wegen der Verletzung nicht fahren können und war am Boden zerstört. Sonntag Nachmittag war ich stolz auf meine erste Zielankunft beim 24-Stunden-Rennen. That's racing!

 

Es war ein Erlebnis und ein Rennen, das ich sicher nie vergessen werde! Ein riesiger Dank geht ans Team, die uns ein perfektes Auto gegeben haben das 24 Stunden lang gelaufen ist wie das sprichwörtliche Schweizer Uhrwerk. Es hat Spass gemacht dieses Rennen mit und für Euch zu beenden und ich bin stolz darauf ein Teil dieses Teams zu sein! Ich danke Euch allen!

NEXT EVENTS 2009

###_NEXT_EVENTS_###