Die Fahraufnahmen sind von Markus Zander und Martin Berrang, die „Impressionen“ sind von 20832.com.
Reiner im Training
Reiner auf dem Weg zum Start
Mein Einsatz und auf zur Jagd
Nochmal für Sabine zur Erinnerung
Dunstkiepe runter
War wohl anstrengend

7 + 7 = 97

Einen wunderschönen, guten Abend aus dem schönen Schlitzerland. Da sitze ich nun am Rechner (nach dem wohlverdienten Ausschlafen und dem erzwungenen Sonntags-Spaziergang) und versuche mal meine Eindrücke zu sammeln. Und da gibt es diesmal 'ne Menge!


Ich nehme das Ergebnis mal vorweg, denn deswegen die merkwürdige Überschrift... der zweite 7. Platz in Folge. Gewiss Dank einer gehörigen Portion „Hirn einschalten“ und „Ärger aus dem Weg gehen“. Gestern galt mehr denn je der ganz, ganz alte Renn-Spruch: „You have to finish first, to finish first.“ Aber in der chronologischen Reihenfolge der Ereignisse:


Samstag Morgen 7:00 Uhr, Nürburgring. Die Frisur sitzt. Warum? Um die Uhrzeit? Keine Ahnung. Wer bitte lässt sich sowas einfallen? Fahrerbesprechung 7:45 Uhr. Vorher noch den Gang zum Leisten der Unterschrift und zum zweiten Mal zur technischen Abnahme, mein VLN Logo auf dem Fahreranzug vorführen. Wir werden das wohl auch noch ein drittes Mal machen müssen... kein Kommentar.


In der Fahrerbesprechung fallen dann weise Worte... wir fahren hier um die goldene Ananas und wir wollen alle am Sonntag unsere Familien wohlbehalten wiedersehen. Na ja... einige der Anwesenden haben das entweder nicht verstanden oder hatten keinen Drang die Familie wiederzusehen, anders kann ich mir manches von dem, was sich am Samstag abgespielt hat nicht erklären.


Reiner geht als erster raus, ich bin froh, dass ich es diesmal nicht bin. Aber er ist nach 'ner Runde wieder da und wir wechseln. Reiner meint die Prinzessin sei Heute Morgen nicht bei Kräften und ich soll sagen ob sie Leistung hat oder nicht, da ich am Dienstag den ganzen Tag lang mit ihr zum testen auf der Nordschleife war. Wie befohlen, Scheff. Ich also ich rein ins Auto und raus ins Chaos. Hui. Die Frankfurter Rush-Hour ist Kinderfasching dagegen! „Hier eine freie Runde zu finden, kannst Du getrost den Hasen geben!“ Das ist der erste Gedanke im Auto. Einmal GP-Kurz um Anlauf zu nehmen und los geht’s. Der erste Eindruck vom Motor? Geht schon. Die Prinzessin ist leicht verschnupft aber nicht unwillig. Ich ärgere mich allerdings... über mich selber. „Kannst Du Trottel nicht mal den Helm bewegen nachdem Du eingestigen bist?“ Die Käfigpolster sind wieder da, wo sie hingehören und mein Helm (inklusive innenliegendem Inhalt) ist starr montiert. Ich bin quasi Teil des Käfigs. „Das wird wieder wehtun.“ Tut es auch, aber jammern gilt nicht. Ich bringe eine ereignislose 11:20er Runde hinter mich und lasse dann die Polster rausnehmen. „So ist's besser.“ Nochmal raus und eine halbwegs freie Runde. Halbwegs. Als ich nach dem Anlauf über die GP-Strecke das Castrol-S anbremse gurkt ein Kollege aus dem eigenen Team und unserer Klasse, der gerade aus der Box fährt, so sinnlos vor mir rum, dass es mich mindestens 5 Sekunden kostet. Danke! Spiegel, lieber Freund, sind die reflektierenden Dinger Rechts, Links und in der Mitte Deines Autos und wenn man reinschaut, sieht man, was hinter einem passiert. Nur so als kleiner Tipp für den nächsten Lauf! Das Adrenalin für dessen Ausschüttung er gesorgt hat, beflügelt allerdings. Die Runde ist halbwegs frei und sollte unsere Quali-Runde werden. 11:04. Nicht übermäßig beeindruckend aber immerhin 11 Sekunden schneller als meine schnellste Runde bei Lauf 1. Ich bin also trotz meines Alters lernfähig.


Meine dritte Runde wird mir ziemlich lange unvergessen bleiben. Hatzenbach geht gut, Hocheichen, Quiddelbacher Höhe, die Prinzessin läuft, Flugplatz voll, von hinten naht ein SP Seat. Ich bleibe Rechts, blinke und peile die Kuppe am Schwedenkreuz an. Wenn Du ganz Rechts bist, versetzt das Auto etwas. „Was ist das denn?“ Aus dem Augenwinkel sehe ich, wie der Seat plötzlich quer auf meine Fahrerseite zuschiesst. „Scheisse, der wird mich treffen!“ Kupplung, voll in die Eisen. Er rutscht ungefähr einen Meter vor mir quer über die Strecke und schlägt voll in die Leitplanke ein. Ich höre den Knall im Auto. Der Einschlag war heftig. „Der kommt zurück!“ Was machen? Voll auf's Gas und weg (Mit 'nem V2? Guter Witz!) oder weiter bremsen und versuchen ihm auszuweichen, wenn er denn kommt? Ich bleibe auf der Bremse. Der Seat löst sich in seine Bestandteile auf und überall sind Trümmer. Er rutscht an der Leitplanke lang und ich entscheide, dass jetzt der Moment für die Flucht nach Vorne gekommen ist. Ich sortiere die Gänge und bin prompt im Zweiten, ungesunderweise. Ich höre aber beim auskuppeln, dass hier etwas nicht stimmt und schalte sofort eins hoch. 6.900 U/Min stellen die Jungs in der Box fest. Gerade nochmal Schwein gehabt, nicht überdreht. Ich lenke in die Links ein und nehme wieder Fahrt auf. „Kollege, ich hoffe, es geht Dir gut! Der hat ganz sicher weh getan!“ Auch da war wieder ein Posten in der Nähe und ich hoffe, dass die Streckenposten nicht von den Trümmern getroffen worden sind! Die Runde ist im Allerwertesten, meine Konzentration auch. Trotzdem beschleunige ich voll aus dem Aremberg und zwinge mich wieder schnell zu fahren. Es geht. Nach dem Fahrerwechsel, in der Box, am Ende der Runde wird mir allerdings klar, wieviel Glück ich gerade hatte. Das hätte auch ganz, ganz kräftig in die Hose gehen können! Ich habe keine Ahnung warum der Seat abgeflogen ist, er ist hinter mir nach Links und da war noch alles ok, als ich ihn aus den Augenwinkeln auf mich zukommen gesehen habe, da war der Fahrer schon nur noch Passagier. Ich hoffe blos, dass keiner dabei verletzt worden ist.


Reiner ist dann nochmal zwei Runden gefahren, konnte meine Zeit aber bei dem ganzen Gelb nicht mehr unterbieten. Startplatz 13 von 18 im Zeittraining. Äh ja. Also lautet die Taktik wieder raushalten, jagen und so weit es geht das Feld von hinten aufrollen. Reiner hat den Start-Turn weil wir abgesprochen haben immer abwechselnd den Start zu fahren. Er hat erstmal die Position gehalten, hat sich aus dem ganzen Chaos rausgehalten und zwei Plätze gut gemacht. Ich habe das Auto auf 11 übernommen. Die letzten zwei Runden vor dem Fahrerwechsel stand ich an der Boxenmauer, habe gezählt wo wir liegen und mir die Abstände und Zeiten der Autos direkt vor Reiner angeschaut. „Platz 6 ist drin.“ Meine Frau (die die Zeiten von unserem Auto nimmt) schaut mich an als hätte ich mir gerade einen Bob-Marley King-Size Joint am Stück reingezogen. Ihr Blick sagt ganz liebevoll „Schatz, Du bist grössenwahnsinnig“. Ich grinse vor mich hin und ziehe mich an.


Reiner kommt rein, wir wechseln und das Team schickt mich los. In der Box stellst Du Dir normalerweise den Innenspiegel ein... tja, den nicht mehr. Das Gelenk ist gebrochen und das Ding ist nutzlos. Ich habe beide Aussenspiegel und es heisst von Anfang an noch mehr den Kopf zu drehen. Mit HANS nicht ganz einfach. Halali, auf zur Jagd!


Reiners schnellste Runde in seinem Turn war eine glatte 11. Mein Plan war mich auf 10:50 zu steigern aber die Prinzessin war von Anfang an dagegen. Das erste Mal die Fuchsröhre runter und ich komme noch nichtmal in den Begrenzer. Irgendwas stimmt hier nicht. Jetzt ist mir klar, warum Reiners Zeiten nicht so schnell waren wie in Rennen 1. „Mist! Grande Mist!“ Ich brülle wilde Flüche in den Helm. Egal... mangelnde Leistung ist ersetzbar. Später bremsen, früher gasgeben. Ganz einfach. Nach drei Runden sehe ich den ersten Gegner aus der Klasse vor mir, den Corsa. Im Galgenkopf bin ich so gut wie dran, auf der Döttinger Höhe lässt er mich einfach stehen. Auf der GP bin ich wieder dran. So sehr ich die GP-Strecke auch nicht mag, ich bin da schnell. Vielleicht sollte ich beschliessen die Nordschleife nicht zu mögen? Er macht im Hatzenbach einem Porsche Platz und ich schlüpfe mit durch. Dieses war der erste Streich. Dann folgen (jeweils im Abstand von ungefähr zwei Runden) noch zwei e36 318 und der e30 318. Auch der e30 lässt mich auf der Döttinger Höhe stehen. Die Prinzessin mag Heute einfach nicht geradeaus fahren. Jedenfalls nicht schnell. Die ca. 100 Meter, die er mir abnimmt, hole ich mir fast komplett auf der Bremse vor der Hohenrain Schikane zurück. „Ende Start Ziel hab' ich Dich!“ Gesagt, getan. Bei 90 Meter den Anker geworfen, er lässt sich raustreiben und ich bin innen durch. Und tschüss. Jetzt müsste ich 7. oder 8. sein. Zu dem Zeitpunkt war ich (bedingt durch Ausfälle) wohl sechster. In der Runde danach kommt der Corsa von hinten. Ich fange wieder an zu fluchen. Ich weiß, dass ich auf den Geraden keine Chance habe. Aber diesmal sitzt ein anderer Fahrer drin und der lässt mir auch in den Ecken keine Chance. Ich kann den Corsa nicht halten, der ist weg. Ich schaue zum ersten Mal seitdem ich in der VLN fahre auf die Uhr bei Start Ziel... wohl noch drei Runden. „Den Corsa kriegst Du nicht mehr, fahr' das Ding einfach sauber ins Ziel.“ Trotzdem habe ich es nochmal probiert und beim anbremsen am Aremberg in der Runde heftig quergestanden. Das war's dann. Es gäbe nichts dämlicheres als das Auto jetzt im Kies zu versenken! Also nehme ich die letzten Runden um an der Linie zu feilen. Und... um Sabine Hogreve zu grüssen. Beim ersten Gruß hat sie recht sparsam geschaut. „Was will der von mir?“ In der vorletzten Runde wurde ihr dann klar, wer da jedesmal winkt. Ich hab' Dir jedesmal 'ne Sekunde geschenkt, liebe Sabine. Ich hoffe, Du weisst das zu schätzen.


So habe ich das Ding dann heimgefahren. Auf Platz sieben und bin im Windschatten des HISAQ Porsche abgewunken worden. Übrigens, Kollege... es wäre nett gewesen, wenn Du mich NICHT direkt vor der Ziellinie überholt hättest und hättest mich einfach meine Runde zuende fahren lassen! Aber so war ich mal das allererste Auto im Parc-Fermé. Und ich hoffe, es gibt Bilder davon, wie ich den Gesamtsieger hetze.


So ging unser zweites Rennen diese Saison zu Ende und Reiner und ich waren ganz zufrieden. Unsere kleine Zicken-Prinzessin war zwar Gestern nicht die Schnellste, aber wir haben das beste daraus gemacht. Heute Abend war es noch Platz 97 in der Gesamtwertung des Langstreckenpokals. Darauf bin ich ein kleines bischen stolz.


Das soll es für Heute gewesen sein. Ich wünsche den ganzen Havaristen gute Genesung und hoffe blos, dass das Destruction-Derby dieses Jahr nicht so weitergeht! Bis in zwei Wochen!


Tschö und 'nen gute Nacht Gruß.

NEXT EVENTS 2009

###_NEXT_EVENTS_###