Auf geht’s Buam...

Lang, lang ist's her. Drei Monate ohne Rennen. Drei Monate nicht auf der nördlichsten aller Schleifen. Mehr als drei Monate sogar. Am 11.05. habe ich den Hasenstall onduliert und seitdem war ich nicht mehr in der Eifel. Das 5. Saison-Rennen fiel aus, weil der Hasenstall noch beim Kosmetiker war und das 24-Stunden Rennen mussten wir im Fernsehen gucken, weil unsere Nennung nur auf der Warteliste geendet ist. Zum Trainieren zwischendurch war keine Zeit... man hat ja auch noch 2-3 andere Dinge zu tun. So begab es sich also, dass ich am Freitag das erste mal seit über drei Monaten wieder doof grinsend am Tor zum Fahrerlager stand und Einlass begehrte. Der wurde mir auch gewährt. Da sind wir also wieder. Am Ring. Wahl-Heimat der letzten, wahren Helden. Der Olymp der Rennstrecken, die faszinierendste Einbahnstrasse der Welt. Ok, ok... vielleicht übertreibe ich ein wenig, aber nur ein bischen... ehrlich. Es ist jedenfalls schön wieder hier zu sein! Unbeschreiblich schön!


Erstmal alle begrüsst... und überall die gleichen Worte: „Sch... Sommerpause. Willkommen Zuhause!“ Irgendwie haben wir alle einen kleinen Knall. Da fährst du hunderte von Kilometern und freust dich wie ein kleines Kind auf eineinhalb „Arbeitstage“, die jedem Gewerkschaftler Tränen der Wut in die Augen treiben würden. Egal. Jetzt fahren wir Rennen!


Da steht er: der Hasenstall. Tief geduckt, grimmig dreinschauend und faltenfrei wie Cher nach ihrer jährlichen Generalüberholung. Er will jagen. Wartet darauf Gegner durch seinen mächtigen 1,8 Liter Motor zu saugen (man bemerke an dieser Stelle die feinnervige Ironie). „Warum lasst Ihr mich drei Monate nutzlos Staub sammeln?“ Gute Frage. Warum eigentlich? Freiwillig? Garantiert nicht. Aber nun ist es vorbei. Drei hehre Recken brennen darauf ihn wieder artgerecht zu bewegen. Drei? Wieso drei? Herbert (Stenger – der Berglöwe) ist wieder dabei, wir fahren wieder zu dritt. Vorbereitung auf das 6-Stunden Rennen, Vorbereitung für die Saison '08. Unsere '07er Saison ist so verkorkst, dass wir beschlossen haben uns auf die nächste Saison zu konzentrieren und vorzuarbeiten. Deswegen sind wir wieder ein Fahrer-Trio.


Aber vor das Vergnügen haben die Götter des Rägglemänngs jede Menge Papierkram gesetzt. Also erstmal dem heiligen Bürokratius gehuldigt und die Büroarbeit erledigt. Mittlerweile ist auch Herbert da und wir besprechen die Reihenfolge in der wir gleich im freien Training fahren. Mick (Michael Jestädt – der schnellste von uns dreien) als erster, er fährt zwei Gäste, dann ich, ich fahre zwei Gäste und Herbert fährt dann bis sie ihn von der Piste jagen. Also... auf geht’s.


Mick raus, Mick rein, Gast 1 rein, Mick raus, Mick rein, Gast 2 rein, Mick raus, Mick rein. Jetzt ich. Die erste Runde fahre ich allein und sobald ich aus der Box fahre fällt mir etwas auf: ich bin verkrampft. Völlig verkrampft. Ein Mist sondergleichen... ich dachte, ich hätte den Einschlag im Pflanzgarten einfach weggesteckt, habe ich aber nicht. Er fährt mit. Ich gurke mir einen Quark zusammen der seinesgleichen sucht. Da ist keine Linie, kein Rhythmus und vor allem... kein Mut. 180 über's Schwedenkreuz... das kann meine Oma schneller. Ich zucke in der Fuchsröhre... hä? Wann ist mir das das letzte Mal passiert? Eingangs der dreifach-Rechts hat noch gefehlt, dass ich anhalten und den Streckenposten nach dem Weg fragen muss. In der Mutkurve habe ich denselben vermissen lassen... und, und, und. Ganz krampfig wird’s im Pflanzgarten. Bei gefühlten 50km/h meine ich kurz vorm Abflug zu sein. Das wird ein sehr, sehr anstrengendes Wochenende für mich! Völlig genervt fahre ich in die Box und lade Heike, meinen charmanten Passagier ein. Ich fahre wieder raus, Haug-Hacken und den Rest der Sternen-Arena und Kurzanbindung... es läuft... die Linie passt wenigstens... immerhin, ich kann zumindest noch GP-Strecke fahren. So richtig tröstet das aber auch nicht. Und plötzlich blinkt es lustig. Rot. Nicht bei mir, sondern an der Strecke. Abbruch des Trainings. Ok, rein in die Box. Wir entscheiden, dass Herbert einsteigt, damit er überhaupt noch zum Fahren kommt. Heike bleibt, ich steige aus. Herbert sollte aber nicht weit kommen. 4,5 Runden Nordschleife waren zuviel für eine nagelneue Antriebswelle. Gut, dass es heute passiert ist und nicht im Rennen. Die Jungs machen den Hasenstall wieder klar, während wir noch bis Mitternacht an der Sitzposition feilen. Neue Zelle, neuer Sitz und keiner von uns dreien ist richtig glücklich mit der Sitzposition, aber wir finden einen gangbaren Weg. Der Samstag kann kommen!


Samstag Morgen 9:00 Uhr. Rock 'n Roll. Nun gilt's. Die Uhr tickt, erbarmungslos. Ich fahre als erster und was sie mir zeigt lässt mich schlucken. Ich bin an meinen eigenen Zeiten gemessen 45 Sekunden zu langsam. Ich fahre plötzlich wieder 11er Zeiten, grausam! Nach zwei Runden erlöst mich das Team und ich fahre rein. Ich steige völlig frustriert aus und verstehe die Welt nicht mehr. Es passt genau... nichts. Die Linie ist für die Füsse, es ist kein Fluss drin und in jeder Kurve sehe ich mich ständig in die Planke knallen. Ich habe schon einige Abflüge im Renngerät erlebt, aber der hier hat Spuren hinterlassen. Ich überlege ernsthaft, ob es nicht mehr Sinn macht nicht zu starten. Aber ich muss da durch, sonst brauche ich hier nie wieder fahren. Hier nicht und auch sonst nicht. Mick stellt den Kleinen derweil auf Startplatz 8 von 19. Eigentlich als Ausgangsposition durchaus ausbaufähig aber irgendwie ist keiner im Team so richtig glücklich. Die Welt ist böse zu uns. Die englischen Ölschleudern (aka Youngtimer), die vor unserem Zeittraining hektoliterweise schwarzes Gold auf der Nordschleife verteilt haben, haben auch nicht unbedingt geholfen. Egal. Um 13:00 Uhr geht’s los, eine Stunde später als normal, eben wegen des Rahmenrennens der Youngtimer.


Mit dem Start der zweiten Startgruppe beginnt die Hatz. Mick fährt den Start und hält erstmal den Platz. Kein Risiko im Gewühl. Gut gemacht! Gewinnen können wir heute ohnehin nicht, wir müssen ja einmal mehr stoppen als eigentlich nötig, weil wir zu Dritt sind. In Runde drei bläst Mick das grosse Hallali und knallt eine 10:19 in den Eifelasphalt. Die drittschnellste Runde in unserer Klasse im Rennen und nur eine Sekunde von der schnellsten Hasenstall-Runde ever weg. Ganz grosses Kino! Mick stürmt nach vorne wie Cäsar durch Gallien. Ganz Gallien? Nee... nicht ganz Gallien. Platz 1-3 fahren in einer eigenen Welt aber Mick stürmt von Acht auf Vier. Breites grinsen allenthalben. Dann kommt per Boxenkomm von Mick die Mitteilung, dass er reinkommt, Tank leer. Irgendwas ist kapputt. Der Kleine war fast voll und es ist unmöglich, dass er nach sechs Runden schon den ganzen Sprit verputzt hat. Tanken, Fahrerwechsel auf Herbert, der sich noch im rennen anziehen muss. Die Tankanzeige hat das Zeitliche gesegnet, sonst ist alles in Ordnung. Herbert raus und auch er greift an. Konstant 40er Zeiten mit einigen eingestreuten 30ern. Durch den Stop waren wir bis auf Platz 11 zurückgefallen. Herbert beisst sich wieder bis auf sieben vor. In seinem zweiten Rennen fährt er die Zeiten, die ich eigentlich fahre... wenn ich gut drauf bin. Aber nicht nur in der Eifel brauen sich dunkle Wolken zusammen... auch über meinem Kopf schwebt eine. Und sie will nicht weiterziehen. Ich sitze in der Box, ziehe viel früher als nötig meinen Helm auf und versuche sie zu vertreiben. „Versuch locker zu sein. Fahr' einfach raus und hab' Spass, dann kommen die Zeiten von selber.“ Genau. So einfach ist das Leben... theoretisch. Irgendwann winkt Andreas (Matthes – unser Technik-Chef). Jetzt gilt es!


Der Stop läuft super nur beim Rausfahren herrscht einen Moment Verwirrung. Ich bekomme kein klares Signal und warte. Aber dann geht’s los. Endlich! GP-Strecke und raus auf die einzig wahre Rennstrecke. Ich schraub mir irgendwie so 'ne Art Runde zusammen, so fühlt es sich an. Ein Verkehr wie in Frankfurt zur Rush-Hour. Da mein Speed eher unterirdisch ist, versuche ich mich soweit wie möglich einfach in Luft aufzulösen und niemandem im Weg rumzustehen. Aber es gibt sie trotzdem... die Opfer. Ab meiner zweiten Runde „prügele“ ich mich drei Runden lang mit einem SP6 M3. Kein Witz. Mindestens 350 Ponies unter dem Deckelchen aber trägt das Ding durch die Ecken, dass ich mir vorkomme wie weiland Senna. Und dabei fahre ich nichtmal... ich rate die Linie. Drei- oder viermal hab' ich ihn überholt, auf der nächsten längeren Geraden ist er wieder vorbei. Nervig! Echt nervig! „Junge... Du duellierst Dich gerade mit 'nem 150PS Auto... tolle Wurst! Geh' doch mit den grossen Jungs spielen und lass mir meine Ruhe!“ Dann sehe ich Rolf Derscheids Auto in der Hatzenbach stehen. Mist! Ganz grosser Mist! Freitag Abend habe ich noch 'ne Ewigkeit mit Rolf und seinen Mannen geratscht und viel gelacht. Nach seinem Turn kam Michael Flehmer eben noch in die Box und hat strahlend erzählt wieviel Spass er und Mick gemeinsam hatten und nun ist Rolf raus. Tut mir echt leid für die Jungs, ich hoffe Rolf hat sich nichts getan! Allmählich sehen die Randstreifen der Nordschleife immer mehr wie 'ne Mischung aus Park- und Schrottplatz aus. Porsches scheinen heute irgendwie ein recht niedriges Mindesthaltbarkeitsdatum zu haben. Ich juckel so vor mich hin. Ich erinnere mich an den Satz meines ersten Motorsport-Lehrmeisters: „Wenn wir nicht schnell sind, dann grüssen wir wenigstens.“ Ich halte Ausschau und entdecke Sabine Hogreve die winkt. Eine wilde Retour-Grussorgie von mir endet fast im Aus. „Junge, konzentrier Dich. Hör auf Faxen zu machen und fahr' Auto!“ herrscht mich die Stimme der Vernunft an. Irgendwann sehe ich den ersten echten Gegner von hinten nahen. Die 530. Ausgangs Bergwerk ist er innen neben mir. Mich wehren? Nicht mit dem Stiefel, den ich mir Heute zusammenfahre. Ich hätte blos unfair sein können. Hinterherfahren? Klar... aber dazu bräuchte ich Mut in der Mutkurve. Ich lasse ihn ziehen und fluche vor mich hin. Es sollte der einzige Gegner bleiben, der mich überholt. Glück hatte aber mehr damit zu tun als Können. Schlussendlich 8. von 19. 102. von 202 im Gesamt. Dafür sind Mick und ich in der Gesamtwertung wieder unter den Top 200... na ja... immerhin. Ich noch nicht ganz... ich werde dafür jetzt zweimal im Gesamt gewertet, irgendwas ist auch bei der Auswertung schiefgelaufen. Egal, passt ins Bild.


Die letzten zwei Runden waren zwar langsam... aber ich hatte das Gefühl, dass ich mich langsam wieder mit der Nordschleife versöhnt habe. Das Grinsen war wieder da. Irgendwie bin ich stolz auf diesen achten Platz. Es gab keinen Pokal dafür, aber er war hart erkämpft. Nicht wegen der Gegner. Ich war Gestern für niemanden ein Gegner, aber ich habe den Kampf gegen die Schatten in meinem Kopf gekämpft. Gewonnen habe ich nicht, noch nicht ganz, aber ich habe nicht aufgegeben und darauf bin ich stolz. Und der Kleine... unser Hasenstall... er war gut zu mir. Er hat mir verziehen und er hatte eine Engelsgeduld mit mir. Nächstes mal gehen wir wieder jagen, wir zwei! Ich freue mich drauf!

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