Platz 6 im 3. Rennen - Erfolgreicher Test für das 24-Stunden-Rennen

 

Mal ein Versuch... hier ein Rennbericht "der etwas anderen Art". Ein ganz persönlicher, ganz direkter, ungefilterter Bericht. So, wie es mir Spass machen würde ihn zu lesen und so wie es mir Spass macht ihn zu schreiben. Mal sehen, wie er ankommt.

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Nach dem Training ist vor dem Rennen

Ich begrüsse Euch an der Nordschleife des Nürburgrings. Man schreibt den 28.04.2007. Es ist Rennen! Zeit war's!

 

Eigentlich haben wir uns ja jetzt tagelang im Tiefstapeln geübt... der Grund: Wir fahren zu dritt.

 

Dazu muss ich was erklären. Mit unserem Kleinen schafft man vollgetankt und unter Volldampf elf Runden. Fährt man wie ich beim letzten Rennen, schafft man 13, bekommt aber schweissnasse Hände. Da unser Rennen normalerweise 22 Runden dauert... wir rechnen kurz... 22 geteilt durch 11 ist gleich Zwei. Zwei Fahrer braucht unser Team also. Na ja... wer braucht die schon? Aber geben tut es sie halt. Ok... nun gibt es ein Problem. Die Ausnahme von der Regel, quasi. Wenn die Herren ganz, ganz, ganz Vorne es eilig haben, dann müssen wir öfter als 22mal rum. Dann können es 23 oder gar 24 Runden werden. Denn wir wissen ja, rum ist das Ding erst, wenn der Rennleiter mit dem Tüchlein schwenkt und das tut er erst dann wenn a.) die 4-Stunden rum sind und b.) der, der ganz, ganz, ganz vorne fährt danach die Ziellinie passiert. Wer das Tüchlein nicht sieht, der hätte auch garnicht erst kommen brauchen. Wir rechnen nochmal kurz: 24 geteilt durch 11 macht... ääähhh... genau... Tank leer. Das heisst: es gibt bei uns budgetmässig zwei Fahrer, die zwei Turns á 11 Runden fahren und entweder einer fährt wie Mutter Beimer zum einkaufen, dann reicht der Sprit oder der Zweite-Turn-Fahrer muss kurz vor Schluss nochmal rein und nachfüllen lassen. "Splash & Dash" nennen das die Nascar Jungs. Klingt doch viel schicker als schnödes „tanken“, oder? Warum erzähl ich das und was hat das mit tiefstapeln zu tun? Geduld... die Auflösung folgt sogleich.

 

Wir fahren an diesem Wochenende Probe. Probe für das 24-Stunden-Rennen. Und da werden wir als „Trio-Infernale“ auftreten. Und genau deswegen haben wir beschlossen an diesem Wochenende das gleiche zu tun um unserem dritten Mann die Chance zu geben mal die netten aber durchaus eiligen Mitmenschen in der Eifel kennen zu lernen. Das heisst eigentlich, dass wir unter „es nahmen weiterhin teil“ ins Ziel kommen werden, weil wir einmal mehr stoppen als nötig. Weniger zum tanken, mehr um den Fahrer zu wechseln. Aber... erstens ist der dritte Mann nicht irgendwer und zweitens... wenn wir das mit dem tiefstapeln ernst gemeint hätten, dann hätten wir grundsätzlich die falsche Sportart gewählt! Aber der Reihe nach...

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Der Berglöwe und die 555

...der dritte Mann.

Herbert, Nachname Stenger. Der Herbert Stenger? (Ihr ahnt wahrscheinlich noch nichtmal, wie oft wir die Frage an diesem Wochenende beantworten mussten.) Genau. DER Herbert Stenger. 7facher Bergeuropameister, 10facher Deutscher Meister am Berg. Kurz... „der Berglöwe“. Ja... Nee... is' klar... und der hat nix besseres zu tun als sich in 'nen Hasenstall zu setzen? Irgendwie nicht. Jedenfalls sitzt er dieses Wochenende in unserem Hasenstall und schaut sich mal den Langstreckenpokal an. Strecke und Gegner studieren für das 24-Stunden-Rennen. Denn... er hat auch da nix besseres zu tun als mit uns beiden gemeinsam zweimal rund um die Uhr durch die Eifel zu tuckern. Mit monströsen 150PS unter dem Popometer. Und das bei jemandem der sonst mit 360 bayuwarischen Pferden in 'nem 640kg Autochen den Berg hochtobt. Eine kleine Umstellung? Das Geheimnis lösen wir etwas später auf.

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Mick fährt den ersten Turn

Tiefstapeln?

Na ja... das Motto hiess: „abgerechnet wird zum Schluss“. Aber eigentlich hatten wir das Rennen großzügig unter „Streicher“ verbucht. Bei uns in der Klasse brennt die Luft und wenn Du überflüssig eineinhalb bis zwei Minuten an der Box rumstehst, dann ist das nicht gerade die beste Voraussetzung um vorne mitzumischen. Soweit zur Vorrede, wir kommen zum Rennen.

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Manchmal ist es ganz schön schwierig...
...ein relativ kleines Auto...
...zu überholen

Das Rennen.

Morgens im Training ballern die Herrschaften wieder mal 10:16 bzw. 10:18er Runden auf die Bahn. Mick kann das auch, aber diesmal ist das Auto eben so abgestimmt, dass wir alle drei damit fahren können und so, wie wir es bei den 24-Stunden abstimmen werden. Gutmütig, narrensicher, Mutter Beimer tauglich, eben. Macht unterm Strich 'ne 10:29. Garnicht schlecht, reicht aber blos für Rang 8. Das war also der Ausgangspunkt.

 

Mick fährt den Start-Turn. Er sechs, wir jeweils acht, macht 22. Er hat sechs, ich hab' acht, Herbert durfte dann neun, macht 23. Einen Vorteil hatten wir... durch den zusätzlichen Stopp war es uns diesmal egal wie lange das Rennen dauert, wir hatten genug Sprit an Bord und das ohne mit gebremstem Schaum zu fahren.

 

Als die Startampel für die zweite Startgruppe auf grün ging, fing Mick das jagen an. In der zweiten Runde kam der Spruch von ihm aus dem Auto „ich hab' gerade sechs vernascht, die können alle blos geradeaus schnell“. Die waren nicht alle aus unserer Klasse. Es ist egal, Mick ist im Jagdfieber. So hat er uns in seinem Turn Stück für Stück nach vorne gefahren. Dann kam ich.

 

Guter Wechsel, alle Stecker drin, ich hab' sogar meinen Trinkschlauch im Mund. Herz, was willst Du mehr? Zeiten. Genau. Ich hab' meine Inboard-Runden rauf und runter analysiert und hab' dadurch morgens im Zeittraining schon Zeit gefunden, jetzt heisst es die Runden auch kontinuierlich zu reproduzieren. Und... es geht! Geil! Ich merke selber, dass es läuft. Du fährst Dich plötzlich in so 'ne Art Wahn. Der Sch... Laptimer zeigt mal wieder alles mögliche blos keine Rundenzeiten. (An der Stelle mal 'ne Frage an ISA-Racing... wie wär's, wenn Ihr mal 'n neuen spendiert? Der alte taugt keinen Schuss Pulver und ich verspreche Euch dann in Zukunft auch lobend zu erwähnen.) Trotzdem, die Zeiten auf der Tafel passen. Dritte Runde, GP-Strecke. Durch die Bit-Kurve und den Hatzenbach Bogen schleicht sich 'n 997 RSR an. Als ich aus dem Hatzenbach Bogen rauskomme, sehe ich 'n Puma in die NGK reinfahren. Irgendwas SPiges, der hat Flügel. Ich konzentrier mich auf den Porsche und mache Einfahrt Nordschleife auf um ihn innen durchzulassen. Auf der kurzen Geraden in den Hatzenbach zieht er mich an den Puma ran, der macht auf und lässt ihn durch. Prima, ich hinter dem Porsche her in das Loch rein. BAMM! Vielleicht war der Blindenhund des Puma-Kollegen gerade pinkeln, ich weiss es nicht. Wir treffen uns Vorderrad auf Vorderrad. Als ich aus der Kurve raus bin sehe ich, dass das Lenkrad schief steht. Fuck! Und... ist klar... mein rechter Aussenspiegel ist weg. Nun würde sich ein normaler Mensch denken „fahr' ich doch mal in die Werkstatt und lass nach dem rechten schauen“. Quatsch. Ich überlege mir, wenn ich unten die Rechts anbremse lenk ich ja eigentlich links. Dann hab' ich Druck auf dem Rad und wenn der Reifen da hält, dann passt das. Gedacht, getan. Angebremst, eingelenkt, geht. Ab da war's mir Wurscht. Störend war... mein Schlauch war weg. Boah... was mich dieser Trinkflaschen Mist nervt! Bei dem Schlag hab' ich irgendwie den Schlauch ausgespuckt und der lag nun irgendwo in meinem Schoss. Natürlich ohne das Rückschlagventil, denn das hat ja die letzte Spülmaschinenwäsche nicht überlebt. Mit dem Erfolg, dass mich diese Mistkonstruktion... ach... ich glaub' Euch ist klar, was mit der Flüssigkeit passiert ist. Auf der Döttinger Höhe hab' ich ihn dann wiedergefunden und ihn mir wieder dahin gesteckt wo er mehr Sinn macht. Aber nur zwei Runden lang, dann war die Flasche leer. Ich wusste wo der Rest von der lauwarmen Plörre war, aber egal.

 

Ein kleines Aha-Erlebnis in dem Turn war die Ölspur die Fuchsröhre runter. Wer so bescheuert war die zu legen, der gehört eigentlich geteert und gevierteilt! Voll auf der Ideallinie! Was ein Blindfisch! Ist ein Sch.ei.ssgefühl da ausgedreht die Fuchsröhre runterzuknallen. Und dann gibt es noch Phantasten die meinen, man fährt freiwillig auf's Öl um ihnen Platz zu machen. Is' klar Jungs!

 

Der Rest von dem Turn war relativ ereignislos. Kurz vor Schluss hab ich mit Andreas (unserem Crew-Chief) gesprochen und ihm gesagt, dass sie beim Stopp beide Räder vorne kontrollieren sollen, weil ich Rechts einen Treffer hatte und mit links über ein Schaltgestänge (was die Jungs so alles liegenlassen) gefahren bin. Rein in die Box und gewechselt. Davon ausgehend, dass Herbert vom Scheff gesagt bekommt, das die Spur nicht ganz optimal ist, hab' ich mir erstmal 'ne dreiviertel (Liter)Flasche Wasser in den Kopf geschüttet. Schau mir meine ehemals rechte Felge an... und zweifel an meinem Verstand. Das Ding hat rundrum 'n sauberen Wellenschliff! Sieht aus wie Kunst, hätte aber bös' ins Auge gehen können. Scharfkantig wie nur was, hätte mir meine eigene Felge jederzeit den Reifen aufschlitzen können. Da schluckst Du erstmal. Der Gedanke, dass Dir das beim anbremsen vor der Breitscheider Brücke passiert ist irgendwie... uncool.

 

Aber die Schlacht war ja noch lange nicht geschlagen. Herbert ist dann raus und hat mich frustriert. War ja nicht anders zu erwarten. Ich bastel jetzt seit neun Rennen um endlich mal „10:3x“ auf der Boxentafel stehen zu haben (ich würd' mich ja auch mit dem Laptimer zufrieden geben, aber der zeigt ja die Mondfeuchtigkeit in Timbuktu-Süd an) und der fährt in seinem ersten Rennen 'ne 10:38. Na ja... Herbert ist halt ein Vollgastier, ein echtes. Er hatte wohl auch so das ein oder andere Erlebnis. So z.B. zwei Räder im Kallenhard im Grünen, weil ihn einer abgedrängt hat. Aber irgendwann hat der Rennleiter dann das karierte Tuch gewedelt und das Ding war durch. 6. von 21. Trotz drei-Stopp-Strategie. Herbert 'ne 38, ich konstant 40iger und Mick unter 30. Das wird! Die ersten Worte von Herbert als er aus dem Auto ist: „die sind doch alle bescheuert hier“. Ich musste lachen!

 

In zwei Wochen geht’s weiter, dann wieder zu zweit. Es hat Spass gemacht und ich freu mich auf's Nächste.

 

Vielleicht sollten wir die Spiegel immer dranlassen
Herbert im Ziel

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