Kai ganz romantisch
Im Blutrausch
Je nass, desto tschüss
Solo for Kai
Einar schwimmt los
Und schwimmt...
...und schwimmt.
Und hier schon auf Slicks
Markus in Aktion
Nochmal Markus
Wahrscheinlich am Telefon
Die Tagesbestzeit ruft
Peter fährt den Schluss
Alleinfahrt
320 Raps... erlegt
Besser fahren als parken
War es das wert? JA!

Die Bilder im Text sind von Dirk Reiter (www.brfoto.de), Florian Laicht, Patrick Liepertz (www.pl-foto.de) und Daniela Raab. Danke dafür!

 

Vorwort: Es war das 6-Stunden-Rennen. Dann gibt’s jetzt eben auch sechs Stunden Text. Ich veröffentliche Heute mal eben ein Buch. Die Management Summary für die, die nicht alles lesen wollen: Verdienter P3 in einem verregneten Rennen. Alle Interessierten können jetzt en Detail nachlesen, was sich an diesem beinahe historischem Tag zugetragen hat:

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Saisonhöhepunkt zum Saisonhöhepunkt

 

 

Er ist vorbei... der Fluch der 6-Stunden. Endgültig. Ha! P3 von 12, bester „Nicht-e90“ in der V4 und Markus Arndt, unser „Junior“, liegt auf P15 der Junioren-Wertung. Ein Rennen wie bestellt. Und ein Rennen, dass einen unglaublichen Spaß gemacht hat. Im Auto und mit drei Teamkollegen, die nicht nur sauschnell fahren können, sondern mit denen man auch lachen kann bis die Bauchmuskeln schmerzen! Jungs... Danke! Und an unseren „Wikinger“: Thanks Einar! It was a pleasure and I'd love to do it again! Genug der vorbereitenden Reden, schreiten wir zu Taten und deren Kommentierung.

 

Diesmal bin ich am Donnerstag schon des Nächtens am Ring eingefallen. Einfach, um Freitag mal nicht mitten in der Nacht aufstehen und daheim losfahren zu müssen. Freitag dann erstmal ein gemütliches Frühstück in der Fuchsröhre (das Restaurant im Ringhaus hat einen neuen Pächter) und dann ab an den Ring. Natürlich erst, nachdem ich beim Vorbeifahren die Jahrhundertbauwerke genossen habe. Ähh ja. Besonders diese Ballermann-Verschnitt Party-Meile gegenüber der Einfahrt zum Fahrerlager... sehr... äähhh... „gelungen“. Beton-Fachwerk in der Eifel, wie stilecht und stilsicher. Egal... befassen wir uns mit dem Teil des Rings, der uns am Herzen liegt. Erstmal in die Box, ausladen. Langsam reicht mein Kofferraum nur noch bei sorgfältigster, ausgeklügelter Belade-Technik wenn es gilt, den ganzen Sperrmüll zu transportieren, den ich mittlerweile mit an den Ring schleppe. Das Zeug muss erstmal alles in die Box, bzw in den Team-LKW. Dann das Team begrüsst und unsere anderen „Boxen-Mitbewohner“. Durchatmen.

 

Es ist schön, wieder da zu sein! Diese innere Ruhe zu geniessen, wenn man sich darauf freut gleich wieder auf der schönsten Strecke der Welt fahren zu dürfen. Die Vorfreude auf Lillifee, die schon in der Box wartet. Noch auf ihren Straßenreifen (die stehen ihr übrigens garnicht – völlig unsexy). Geduckt lächelt sie mich an. „Na, alter Mann. Wo warst Du so lange? Warum vernachlässigst Du mich? Wieso stehe ich in einer Halle, statt e90 zu jagen?“ Ruhig Blut, Prinzessin. Heute fahren wir zum Spaß, aber Morgen darfst Du wieder zeigen was Du kannst. Es scheint fast als lächelt sie etwas mehr als sonst. Unsere pinke Amazone ist definitiv kampfbereit!

 

Markus und ich drehen ein Paar Runden mit Gästen. Das Taxifahren hat seinen ganz eigenen Reiz. Das Lachen der Passagiere, wenn sie aussteigen macht mir immer wieder Spaß. Wer braucht denn bitte einen „Ring-Racer“, solange es die Fuchsröhre oder den Pflanzgarten gibt? Apropos Pflanzgarten... mal ein kurzes Wort an den Kollegen im Clio. 1.) Ist das Rennen Samstags. 2.) Kann man am Pflanzgarten schon überholen, aber nur solange keiner der beteiligten Fahrer einen Blindenhund braucht und 3.) die Strecke auf der Du unterwegs warst wird „Nordschleife“ genannt und die geht an der Stelle rechts- und nicht linksrum. Wo war ich gerade? Achso...

 

...Spaß. Nach dem Ende der Taxi-Runden sind wir dann ins Ringhaus zur quasi Fahrerbesprechung. Quasi, weil leider ohne Markus, der sich stattdessen um die Prinzessin gekümmert hat. Es war ein Abend voller Anekdoten, Lästereien und halblaut verkündeter Ansagen für das Rennen. Ein häufig benutztes Wort war „verdübeln“ (Synonym für „eintüten, aber sowas von“) und wir waren uns alle einig, dass Morgen unser Tag werden würde. Unsere Strategie wurde von den Worten eines weisen, finnischen Philosophen Namens Marku Alen inspiriert und lautete kurz zusammengefasst: „maximum attack“. Trotz des angekündigten Eifelwetters. Aber was sagen in der Eifel schon 95% Regenwahrscheinlichkeit aus? Eben... mein Turn war trocken! Fast, jedenfalls.

 

Samstag Morgen... 5:30 Uhr es bimmelt das Hand-Ei. Aufstehen, ans Fenster. Wer sagt's denn... trocken und da hinten wird’s blau. Das wird! Duschen. Danach wieder ans Fenster. Es regnet. In Strömen. Egal. Frühstück. Dann ab zur Fahrerbesprechung. Ankunft Fahrerlager um 7:00 Uhr. Ungläubiges Staunen bei den Jungs. „Was willst Du denn schon hier?“ Conny kommt um die Ecke. „Na, ist Dein Wecker kapputt?“ Nee... ich freue mich einfach hier zu sein und ich möchte einfach die Atmosphäre des zum Leben erwachenden Fahrerlagers geniessen! Aber das kann man SO natürlich nicht sagen, ohne im Team auf ewig als handtaschentragender Milchbrötchen-Lutscher zu gelten. Es gilt unbedingt die coole Schale zu wahren... Geschichten über geheimnisvolle, rennentscheidende, notwendige Vorbereitungen quellen aus mir hervor. Die ersten, anderen Fahrer tauchen auf... gerettet. Wir trotten irgendwann ins Pressezentrum.

 

Heute gibt es Bändchen zum Selberbasteln und keine Liste. Fein. Dafür den Hinweis auf welcher Strecke wir Heute fahren werden. An dem Punkt Grund für gezischelte Lästereien, eine Stunde später, im Auto, wurde mir bewusst, dass ein Paar der Fahrer im Feld sich trotz des freundlichen Hinweises wohl in Laguna Seca wähnten und auf der verzweifelten Suche nach der „Corkscrew“ waren. Ansonsten die üblichen Sätze, international aufgewertet durch eine quasi-simultan Übersetzung. Dann dürfen wir zu unseren Schlachtrössern. „Gentlemen, start your engines.“ JA!

 

Jeder nur ein Kreuz. Unser Motto für's Training. In Anbetracht der Preise für schwarzes Gold (ich hab' nie verstanden woher der Ausdruck kommt, bis ich anfing mir ab und an mal Rennreifen zu kaufen) hat sich jeder Fahrer der Gruppenentscheidung unterworfen nur eine Trainingsrunde zu fahren. Nutzt ja nix wenn wir nach dem 28. Versuch zwar drei Zehntel schneller sind, aber dann im Rennen nur noch rumrollen, weil das teure Gummi schon auf der Schleife klebt. Also hat jeder blos einen Versuch. Markus gewinnt mit einer 10:10. „Hui“ denkt man sich... gute Zeit! Dem ist auch so. Eine 10:10 in einem e36 325 fährt man nicht mal eben. Pech blos, dass die Zeit nur für Startplatz 7 gut war! Auerha! Meine Siegessicherheit aus der abendlichen Fahrerbesprechung bekommt Haarrisse. Aber Banane... es geht nicht so sehr um die ultimative Startposition. Denn... wie weit wir hinter den e90 stehen ist eigentlich egal. Dahinter stehen wir so oder so, wenn wir uns nicht entschliessen heimlich einen Turbo zu verbauen. Viel wichtiger ist vor den angriffs- und kampfeslustigen V2 zu stehen! Wer will bei deren Gefechten schon gerne zu den „Kollateralschäden“ gezählt werden? Eben.

 

Nun beginnt das große, lustige Kristallkugel polieren. Wer hat welche Wettervorhersage? Woher? Warum? Und was nutzt die wem in der Eifel? Unzählige Schritte vor beide Seiten der Box, wichtige Blicke in den Himmel, gemurmelte, indianische Beschwörungsformeln. Sag uns Wetter: wie gedenkest Du uns zu beglücken? Keine Antwort. Weder Online noch sonstwo. Wir haben eine Renntaktik. Für trockenes Geläuf. Wir haben auch eine wenn's durchgehend regnet. Aber was machen wir wenn's eifelt? Das was alle machen. Alle Strategien über Bord schmeissen, spontan reagieren und hoffen, dass man sich bei der Verteilung des Rennglücks zu den Glücklichen zählen darf. Trotzdem werden unendlich viele Strategie-Varianten durchgespielt. Unter den sichtlich belustigten Augen unseres Teamchefs. Derweil lässt sich Kai von Markus Sprechfunk in den Helm fummeln. In fünf Minuten soll er in die Startaufstellung fahren und sein Helm ist noch nicht fertig. Mag daran liegen, dass er sich erst eine halbe Stunde vorher dazu entschliessen konnte sich an der ganzen, neumodischen Kommunikation zu beteiligen. Wie zu erwarten: Man bittet uns unsere Streitwagen vorzufahren.

 

Und nun wechseln wir die Perspektive. Im Folgenden erlebt Ihr den weiteren Ablauf aus Sicht von Kai und in seinen Worten. Warum? Ganz einfach: Da die Berichterstattung in der Regel ja das Rennen im Mittelpunkt sieht und oftmals eine detailierte Beschreibung der Startphase,  inklusive der entsprechenden Würdigung der beteiligten Gladiatoren fehlt, haben wir uns entschlossen, einmal diesen Teil etwas genauer zu beleuchten. Nachdem Kai und ich das Lenkrad und bestimmte Lebenseinstellungen teilen (Anmerkung der Redaktion: hey... jetzt keine schlechten Witze an der Stelle), war schnell die Idee geboren auch gemeinsam in die Tastatur zu greifen, einmal live ins Cockpit zu schalten, und die Gedankenwelt unseres Startfahrers einzufangen… Bühne frei für Kai!

 

Es ist nach dem Training und die Stimme des Rennleiters mahnt zum Verlassen der Boxengasse in die Startaufstellung. Gerade noch schöne Benzingespräche  und wieder auf den Boden der Tatsachen geholt. Wenn ich mit Peter zusammenstehe, fällt uns immer wieder mehr ein, wo man die eine oder andere Sekunde finden könnte….addiert müsste das für Platz eins im Gesamtergebnis locker reichen.

 

Nu ja, nützt ja nix.  Den Renn-Strampler haben wir an, natürlich mit der höchst erotisierend aussehenden Unterwäsche, der Helm wird aufgefummelt und das durch Team Hoffmann Motorsport veredelte Kleinod bajuwarischer Handwerkskunst geentert. Gott sei es gepriesen und gepfiffen haben wir an der Sitzergonomie noch was geändert. Das Gestühl wurde auf mein Flehen hin vorne ein Stück angehoben, damit die Rücklehne leicht nach hinten geneigt ist, und die Oberschenkel, wie gedacht, Unterstützung erhalten. Mann, war das ein Kampf mit den Kollegen, das zu ändern. Mir klingen noch Peters Worte in den Ohren, er sei doch kein Manta-Fahrer, und unterstreicht dies mit der obligatorischen „Arm aus dem Fenster“ Pose. Egal, die Sitzposition ist jetzt besser. Sich jetzt noch in den Sitz fallen lassen und gut ist. Klingt einfacher als es wirklich ist. Entweder hat man den Sitz gewaschen und er ist eingelaufen, oder man hatte einfach Angst vor dem Aufdruck: Recaro L oder so. Früher gab es die Bezeichnungen Evo I, II oder III. Das kaschierte immer ein wenig. Jetzt heißen die Dinger XS, L, XL oder adipös plus und lassen somit unmittelbar auf den Körperbau des Fahrers schließen. Keine Ahnung, jedenfalls ist der Sitz echt eng. Markus stört das nicht, der kann im Zweifel Strumpfhosenwerbung machen. Einar ist jetzt auch nicht das, was man als Schrank bezeichnen würde, obwohl Wikinger. Peter und ich sind, sagen wir, ausgewachsen. Mir ein Rätsel, wie er sich für diesen Sitz entscheiden konnte. Aber, man will ja jetzt auch nicht gleich rumnölen. Also wird’s sich eben da reingezwängt. Wenn man ehrlich ist: Gurte brauch man jetzt nicht mehr. Auch bei einem Frontalaufprall würde ich im Sitz hängen bleiben.

 

Einmal Platz genommen, kommen Richi und Arnulf – einer Rechts einer Links - und helfen beim Anlegen des Geschirrs. Aufgrund der zweifellos vorhandenen körperlichen Nähe, ein eher intimer Moment. Gurtschloss zwischen den Beinen? Ist da. Schrittgurt links wird eingeklingt, Schrittgurt rechts wird eingeklingt. Das ist der Moment für meinen Standardsatz: „Ich mag das, wenn ihr mich so angurtet“ und schaue beiden mit schnellem Lidschlag verträumt in die Augen. Reaktion gleich null. Wohl schon zu oft gehört. Ignoranten. Ich überlege ob nächstes Mal ein spontanes „Du willst es doch auch, los küss mich“ hilft, die Standardprozedur etwas amüsanter zu gestalten. Jetzt gibt’s die Schultergurte über das HANS System. Eingeklingt und fertig. Nicht ganz. Das lebensrettende Rückhaltesystem insgesamt muss noch festgezogen werden. Hier gibt’s wohl die Revanche für das „ich mag das“…Festgezurrt trifft die Sache nicht. Von außen wird wahrscheinlich mit Seilwinden gearbeitet, um Druck auf die Gurte zu bringen. Mein Einwand, dass die Dinger Leben retten und nicht verhindern sollen, wird ebenfalls nicht kommentiert. Aufbereitet wie Hannibal Lector in „Das Schweigen der Lämmer“ kann es also losgehen.

 

Schlüssel drehen und der  Motor nimmt seinen Dienst auf. Selbstredend mach ich das von Peter und Liane eingeführte Spiel mit, einem Stück Metall einen Namen zu geben. Schlimmer noch; im Laufe des Rennens fängst Du sogar an damit zu sprechen. Also habe ich für mich entschieden, dass die Zylinder Namen kriegen. Als erstes nimmt Mortimor Bewegung auf -  unmittelbar -, da auf derselben Kurbelwelle verankert auch, Sir Elton, Duke, Lord Eddlethorn, King Arthur und als letztes unser Frauennamenquotenzylinder Elisabeth.

 

Du  verlässt die Box und wirst erstmal geblendet. Draußen ist echt Sonne. Die Eifel zeigt sich von ihrer schöneren Seite. Durch die Boxengasse Richtung Boxenausfahrt. Jede Menge Zuschauer. Ich muss immer schmunzeln wenn ich rechts das aus dem Straßenverkehr entnommene Schild Zeichen 282 „Ende aller Streckenverbote“ sehe.

 

 

Aber was willste sonst dahinbauen. Etwa ein Schild mit Aufschrift: „Ab jetzt volle Kanne, Ihr Mädchen“?  Naja. Wir haben noch jungfräuliche Michelin auf die Vorderachse geschraubt und uns neue Bremsbeläge gegönnt. Die müssen noch kurz angefahren werden. Bisschen wedeln und bremsen und im Auto riecht es, als ob der Karton gleich abfackelt. Und das Wochenende hatte bis hierhin ja schon genug unnötige Pyro-Effekte zu bieten. (Anmerkung der Redaktion: eines der Dolate Autos stand im Zeittraining brennend in der Hohen Acht.) Da fährst du also schön GP Strecke. Ich persönlich mag sie nicht so sehr. Irgendwie scheint der Belag aus einer alten Go-Cart Halle günstig angeboten worden zu sein. Belagtyp Grip-Slip. Du rutscht doch nur hin und her. Da wedelst du dich also bis zum Verteiler der Startgruppen Ende der GP Strecke und wirst auf deinen Startplatz gelotst. Motor aus, Gurte auf, aussteigen, Luft holen. Daniela, Markus, Peter, Einar sind in die Startaufstellung gekommen und wir scherzen und glucksen noch ein wenig. Dann wieder die Aufforderung der Rennleitung jetzt langsam mal einzusteigen, um gleich ein wenig im Kreis zu fahren. Daniela hilft mir beim Angurten und das deutlich filigraner, als die rauhen Gesellen mit den Seilwinden aus unserer Box. Markus gibt mir noch ermunternde Worte mit auf den Weg: „Wenn du nicht mindestens zwei Plätze gut machst, brauchst Du gar nicht mehr in die Box zu kommen“. Auf diese Weise den Druck vor mir nehmend, kommt mir das „Helfer raus“ gar nicht ungelegen.

 

Die beiden ersten Startgruppen sind schon auf der Reise. Endlich geht’s auch bei uns los.  Schlüssel drehen und Mortimor, Sir Elton, Duke, Lord… lassen wir das, kennen wir schon. Das gelbe ADAC Auto oder was auch immer, fährt blinkend vor uns her. Mehr oder weniger gleichmäßig. Wie immer, wenn mehrer Autos hintereinander herfahren, setzt sich dieses „gleichmäßig“ aber nicht unbedingt durch. Mal musst du Vollgas geben um dran zu bleiben, dann wieder steht der gesamte Fuhrpark fast wieder. Peter mag Start fahren nicht, weil ihn dieses Rumgeschleiche nervt und insgesamt zu langweilig ist. Ich hab da einen heiden Spaß. Hatzenbach, Flugplatz, Schwedenkreuz usw.. Überall freundlich winkende Streckenposten und Zuschauer, die zurück gegrüßt werden wollen. Richtung Fuchsröhre wird’s dann eher überschaubar mit der Besucherdichte. Dort sind dann nur Marshalls auf den Außenposten, die auch bewinkt  werden müssen. Winkt ein Streckenabschnitt nicht, wird er von mir er trotzdem „zwangsbewunken“. Gut, das „Winke, Winke“ zieht sich dann bis Döttinger Höhe. Ich denke mir noch im Auto: Meinetwegen brauchen die den Start gar nicht frei geben und wir könnten die nächsten 6 Stunden einfach winkend im Konvoi im Kreis fahren. Das ist doch für alle viel entspannter, als gleich die Drosselklappen auf Durchzug zu stellen und womöglich noch die Umwelt zu schädigen. So ist aber nicht Plan. Auf der Döttinger Höhe wird mit heftigstem Wedeln und Linksbremsen das Material auf Betriebstemperatur gebracht.

 

Jetzt kommts. Wir fahren bekanntlich (ob das wirklich jedem bekannt ist, weiß ich allerdings nicht) Indy-Start, bzw. einen fliegenden Start. Folgendes Prozedere wurde dafür vor langer Zeit einmal beschlossen und für gut befunden. Es wird Höhe Tiergarten das Grid Schild gezeigt.
Bedeutet:
 

- Positionen einnehmen,
- Dichtes Aufschließen auf den Vordermann.
- Führungsfahrzeug schert aus.
- Pole sitter gibt die Geschwindigkeit vor,
- Rotes Ampellicht geht aus.
- Start frei.

 

Klingt einfach. Isses aber nicht. Dahinter verbergen sich technische Unkenntnis, das Streben nach unlauteren Wettbewerbsvorteilen, unglaubliche Missverständnisse und Sprachbarrieren.

 

Ich pick mal zwei raus:
Erstens: technische Unkenntnis gepaart mit pennen. (Fachsprache: extrem penning).
Nochmal zurück an den Anfang der Döttinger Höhe. Die Reifen arbeiten ganz gut in einem Temperaturfenster von 60-70 Grad. Die Bremsen brauchen deutlich mehr. Kein Problem. Also wie gesagt etwas wedeln, gepaart mit Linksbremsen. Es gibt Kollegen die scheuern in der Einführungsrunde schon die GP Strecke durch. Nennen wir die mal die „Frühwedler“. Vielleicht auch daher der Grip Slip Belag. Da wird gewedelt und gewedelt, dass es eine reine Freude ist. Ich denke, dass die Reifen bei Startfreigabe dann 200 Grad haben und bald brennen müssen. Das eigentliche Problem sind die, unter Experten so genannten „Startwedler“. Analog der Frühwedler haben auch die Startwedler eher den Fokus auf wedeln, denn auf Autorennen fahren. Aber dazu später mehr.

 

Zweitens: Sprachbarrieren:

 

Grid, englisch für: Flächenraster, Gitternetz, Raster, siehe z.B. LEO Org.

 

Das Hauptproblem. Bei Zeigen des Schildes Grid sollen die Teilnehmer also geordnet ihre Positionen einnehmen.  Die Transferleistung würde ich als gering einstufen. Viele Kollegen scheinen des englischen aber nicht mächtig. Also kommt es hier zu Missverständnissen. Traditionell haben die meisten Streckenabschnitte auf der Nordschleife ja tragende Namen wie Schwedenkreuz, Brünnchen, Galgenkopf, etc. Die Herren Rennfahrer denken sich also nichts dabei, wenn da so 'n Schild ist auf dem „Grid“ steht. Das das Schild von einem Marshall gehalten wird lässt sie auch nicht stutzen. Die Finanzierung des neuen Nürburgrings ist mehrfach kritisch durch die Presse gegangen. Also denkt er sich: Wird neuerdings wohl günstiger sein, das Schild halten zu lassen als es irgendwo stationär zu verschrauben. Den Business Case dazu und was, wo, wie und warum refinanziert ist, will er im Detail gar nicht wissen und gibt sich eben mit dieser, seiner Erkenntnis zufrieden. Also ist Grid einfach ein neuer Streckenabschnitt, der aber sonst weiter keine Funktion hat. 

 

Zurück zum Start: Also, der Kollege  vor mir wedelt und wedelt und wedelt. Du kommst auch nicht vorbei, da erstens nicht erlaubt, zweitens ist er ein spezialisierter Voll-Straßenbreiten-Wedler. Irgendwann fällt ihm auf, dass das nächste Auto vor ihm schon ca. 200 Meter entfernt ist und sich Richtung Hohenrain Schikane aufgemacht hat. Ich gestikuliere wild und fahre ihm fast aufs Heck. Jetzt klingelt es bei ihm. Warum zum Teufel bin ich noch mal hier? 6-Stunden-Wedeln? Nee, nee, Rennen, Rennen, Mist, das war Rennen. Wedeln ist nächste Woche. Er gibt endlich Gas und der Weg ist frei. Ich komme im ausgedrehten Vierten! - normal wären ca. 60 km/h in der Startphase - auf die Schikane zu und kann gerade noch Anschluss an das Startfeld finden.

 

Der Start insgesamt ist ganz o.k. Die ganze V2 Armada - meist angeführt von Michael Flehmer und Rolf Derscheid - ist glücklicherweise in genügendem Abstand hinter mir. Wenn die bei dem V4 Klumpen auch noch mitmischen, wird’s immer irgendwie hektisch und ungemütlich. Die wollen dann sogar überholen und sich irgendwie irgendwo vorbeibremsen. Wahrscheinlich hatten sie aber auch einen Wedler vor sich und befinden sich gerade Höhe Brünnchen, oder mit viel Glück am Galgenkopf. Ohne größere Scharmützel geht’s die Start und Zielgerade runter. Anbremsen beim 100 Meter Schild, innen rein. Irgendwie geordnet heute, die ersten paar Kurven. Kenn ich auch anders. Ich hatte den ersten Mitbewerber auch schon mal vor der Startfreigabe im Kofferraum. Mir gelingt es unerwartet leicht an ein paar Klassenkonkurrenten vorbei zu kommen. Hurra, ich darf, Stand jetzt, wieder an die Box. Derart motiviert biegen wir ab auf die Nordschleife. Hier gibt’s die nächsten trockenen Runden schönes Gekloppe um Positionen. Alles soweit fair. Der Mercedes Evo kommt irgendwann an mir vorbei und auch ein e90 überholt mich auf der Döttinger Höhe. Die konnte ich einfach nicht mehr halten. Schon gar nicht auf der Döttinger Höhe, wenn jemand einfach an dir vorbei fährt. Gut, die sind immer noch in Sichtweite und sechs Stunden sind lang. Wenn ich weiter versuche auf biegen und brechen dran zu bleiben, komm ich nach dem ersten Turn auf der Karkasse in die Box und dann gibt’s Mecker und die Diskussionen um den betriebswirtschaftlichen Teil unseres Hobbys gehen los. Bei den Rundenzeiten nähern wir uns zudem einem Bereich, wo bei der Nachbesprechung des Rennens mit dem Herrn Teamchef auch bald mein Banker zugegen sein muss. Ein Paar Sekündchen findest Du immer noch an der einen oder anderen Stelle, nur die Kosten dafür können exponentiell steigen.

 

Irgendwann am Anfang des Rennens hat es dann kurz angefangen zu regnen, aber wieder aufgehört.  Regen ist ja nun wirklich kein Problem. Da gibt’s ein Hebelchen hinter dem Lenkrad mit so Symbolen für Wischdings drauf. Kurz nach oben drücken und schon sollten die treuen Gefährten Walter – der linke Wischer - und McNamara – der rechte Wischer - ihres Zeichens definitiv als Scheibenwischer deklariert, stoisch ihren Dienst aufnehmen. Stufe 1, Stufe 2 und Intervall. Das ist Serie, keine Sonderausstattung. (Siehe unten). Soweit kommen wir aber nicht. Jetzt ist die Sache die: Walter, der linke fahrerseitige Wischerarm hatte aber schlicht und ergreifend keine Lust mit dem Wischblatt zu kooperieren und entließ es aus der Halterung. (Wischer-Clip 0,75 Euro zzgl. Mehrwertsteuer, BMW Ersatzteilnummer 9878YYX). Da guckste erstmal. Oder auch nicht.

 

Vielleicht bringt ja ein Anruf in der Box mehr Licht ins Trübe. Also flugs die Hilfe anpreisende Taste gedrückt, die mich alsbald mit dem Hoffmann Motorport Operator verbinden wird. Daniela geht dran und fragt was denn sei. Ich denke mir, die Sache, dass Walter den Bach runter ist, sagst Du so nicht. Sie wird denken, ich habe meine Medikamente nicht genommen, oder das wir am Abend vorher noch mit den anderen Fahrern „aus waren“ und in irgendeiner Schicki Micki Opium Höhle geendet sind. Tatsächlich waren Einar, Peter, Dominik, Alex, Judith und ich noch im Ringhaus lecker essen, aber Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz waren nicht dabei. Versuch es sachlich und sag, dass der linke Wischer, genau vor mir, vieles macht, was man vielleicht als winken beschreiben könnte, aber eben nicht als wischen. Im Endeffekt sehe ich nicht viel, was vor mir ist, schluuß (Anmerkung des Lektors: neue Rechtschreibung) ich also meinen Rapport. Die Antwort kam prompt: „Wenn es regnet, kommst Du ja eh rein“. Ob sonst noch was sei? Nein, sonst ist spitzenmäßig hier draußen, denke ich mir. Wir laufen hier alle in Flip Flops und Shorts rum und überlegen, ob wir Breidscheid nicht gemeinsam raus fahren, Pommes essen und ein paar Kölsch weg hauen. Ich komm dann halt was später zum tanken. Ich muss nur noch einen finden, der den Weg kennt, denn ich sehe nichts. Und grüß schön. Klick. Ende Telefonat. Ich musste diese rhetorische Finte erstmal einsortieren. „Wenn es regnet, kommst Du ja eh rein“. Im ersten Moment war ich irgendwie beruhigt. Dieser Satz hat was Fürsorgliches, Warmes. Und während Lillifee und ich im Regen so rumrutschten, und wir zwei sind ziemlich dicke im Regen, wie sich noch zeigen sollte, kam in mir ein quälender Gedanke hoch, das mir das im Moment nicht wirklich weiter hilft.

 

Was mir immer klarer wurde. Im Hintergrund arbeitete unaufhörlich die Team Hoffmann Motorsport Organisation. Ich betreibe mit, für und durch Conny seit 2006 Motorsport in der VLN und habe das Gesamtkonstrukt langsam durchschaut. Der Notruf geht ein: Wischer links kaputt. Wird aufgeschrieben, und an diverse Expertenteams verteilt. Ähnlich wie bei einem Problem bei einer Boing 747 in der Luft, gibt es Checklisten, Handbücher, Notfallpläne.
Handbuch liegt aufgeschlagen da.

 

Kapitel Rennen.
- Unterkapitel : Technische Probleme.
- Gliederungsebene: BMW Ersatzteile
- Unterkapitel  S Attribute: Scheibenwischer rechts und links!
Gucken wir rein was dazu steht: Risikoeinstufung: Belanglos.
Interner Vermerk: Wegen dem Scheiß kommt der nicht an die Box. Original-Zitat Conny Hoffmann!
Funkspruchtext an den Fahrer : „Wenn es regnet, kommst Du ja eh rein“

Das ist ausgefeilte subtilste Psychologie. Der Satz ist ein Bollwerk. Da machst Du nichts gegen. Aber, was sollen sie denn auch tun? Ein Servicefahrzeug hinter dir herschicken, oder die Rennleitung bitten, das Rennen mal kurz zu unterbrechen, weil ja gerade eines der zweifellos wichtigsten Fahrzeuge im Rennen (Gesamtplatz 68) ein gigantisches technisches Problem hat?

 

Am besten geht eine Abordnung des Teams in die Rennleitung.
Team: „Unser Fahrer sieht nichts.“
Rennleitung: „Ist er sicher, dass er  dann das richtige Hobby ausgewählt hat?“
Team: Nein, nein, Walter will nicht mehr.“
Rennleitung: „Wer ist Walter? Der Fahrer?“
Team: „Nein,  nein, der linke Wischer“
Rennleitung: „Ihr habt 15 Sekunden.“
Team: „In der Zeit schaffen wir es nicht, den Wischer neu zu clipsen.“
Rennleitung: „Nein, ihr habt genau 15 Sekunden, um von hier zu verschwinden, bevor ich alle eure Fahrzeuge aus dem Rennen nehme.“

 

Gut, die Box weiß Bescheid, das Walter in Wallhalla ist. In Runde fünf kommt richtig Wasser runter und ich bin schon an der Boxeneinfahrt vorbei. Kein Sprühregen oder so, sondern richtig Kachelmann-Regen. Also geht’s jetzt wirklich mit Null-Sicht weiter. Egal. Man wächst an seinen Aufgaben. Fahren wir eben nach Gehör. Jetzt gibt’s verbleibende 20,8 Kilometer Rumgerutsche. Das Schöne ist: Ich fahre gerne auf allem was rutschig ist, Schotter, Schnee, Eis, Regen. Nur eben nicht GP Kurs. Und scheinbar hatten die anderen Kinder auch noch alle die Profillosen drauf. Also zum Hallali geblasen. Und das ging sensationell. Ich konnte mühelos an mehreren Autos verschiedener Klassen vorbei. Dabei habe ich wohl – wie die Ergebnisse später zeigten – den ein oder anderen Kollegen aus unserer Klasse aufgelesen. Ein paar Fahrer haben sich dann auch entschieden, dem Drama unmittelbar ein Ende zu setzen und ihr Sportgerät direkt in die Planke gehämmert. Es gab also das übliche Bild. Nach und nach standen an diversen Streckenabschnitten eine ganze Menge Autos. Noch ein paar bunte Fähnchen aufgespannt und das geht optisch mühelos als Gebrauchtwagenhandel durch.

 

Dann kommt es. So was, auf das man schon lange wartet. So ähnlich wie den Satz „Folgen Sie dem Taxi vor uns“ sagen zu können. Hohe Acht runter zum Wippermann. Auf der Hedwigshöhe (g)rast eine Herde Porsches. Das war der Augenblick, wo Du mit dem Auto redest. “Lillifee, sag Mortimor und den anderen Bescheid: Nachtisch ist angerichtet.“ Die ganz dicken Schiffe. Gefühlte 6 Meter breit mit Frittentheke. Was sage ich? Die hatten 'ne ganze Frittenbude drauf. Waren da wohl im Kampf, allerdings in Super-Zeitlupe. Natürlich ist mir klar, dass deren Aufstandsfläche auf einem Hinterrad größer ist, als unsere auf allen vier Rädern und sie deshalb mehr dem Aquaplaning ausgesetzt sind, als wir mit unseren Kinderwagenrädchen. Na und? Bist Du schon mal mit einem V2 oder V4 das Kesselchen rauf? Und hinter dir kommen die Jungs mit ihren sündhaftteuren Spielzeugen raufgetrommelt? Wir haben da knapp 200 auf der Uhr. Da laden die gerade nach, in den vierten oder Fünften. Du hast eh schon mit der Steigung zu kämpfen und von hinten zieht dich noch einer in seinen Ansaugtrakt. Zu mir ist nach einem Rennen noch nie einer gekommen und hat gesagt „super gefahren, klar habt ihr weniger PS und...“ rabarber, rabarber, rabarber... irgendwas in dieser Richtung. Deshalb, für alle kleinen V und SP Klassen die diesen Augenblick auskosten wollen: (Wahre Sportsmänner können sich jetzt beschämt abwenden und distanzieren.) Ich hab sie vernascht, eingetütet, verdübelt. Drei auf einmal. Vorbei. Aus. Ende. Der kleine alte top vorbereitete e36 Baujahr 92, viertürig, keine Sonderausstattung, abwrackprämienfähig, hat ihnen an den Ohren gezogen, auf die Mütze gehauen, sie lang gemacht, ist Kreise um sie gefahren, hat sie ordentlich verkloppt. Ich habe mich auf sie gestürzt, wie ein Stier aufs Gatter. Als ich den Pulk das erste Mal erblickte, habe ich als überzeugter Kölner unmittelbar angefangen zu singen: „Da simma dabei, dat is prima.“ Je näher ich kam desto euphorischer wurde ich und begann im Auto wild „Geronimo! Rache für's Kesselchen!“ zu schreien. Sie sollten nach dem Desaster ihr Auto in die Box fahren und ihren Fahrernamen von der Seitenscheibe entfernen und dem Teamchef sagen, sie hätten den Motor überdreht, anstatt mit der Wahrheit rauszurücken, dass ihnen gerade eine untermotorisierte Familienlimo übers Dach gesprungen ist. Im Brünnchen angekommen erwartete ich Transparente mit unserer Startnummer „ 555 - Wir wollen Kinder von euch“, usw. Natürlich gab es keine Transparente und meine Sicht der Dinge enthält sicherlich einen Hauch Subjektivität. Aber Spaß gemacht hat es trotzdem. Und Motorport ist nun mal wie Angeln. Selbst wenn Du nichts am Haken hattest, braucht es einen 38-Tonner deinen Tagesfang auch nur annähernd zu transportieren.

 

Dann kam noch ein Telefonat mit Daniela. Ob ich denn jetzt reinkäme, Reifen wechseln usw. Ja, Regenreifen und dem Wikinger (Einar) sagen, er soll übernehmen. Schließlich ist es nass und mit rumschippern kennen die sich aus. Zudem sparen wir ggf. ein Splash und Dash zum Schluss des Rennens. Und der Hinweis, das Walter... äähhh... ich meine, der neue Wischer samt Halter eine ganz sinnvolle Investition sein könnte. Irgendwas mit Blutrausch muss ich wohl auch noch geplappert haben…

 

Und so kurz vor Ende meines Turns, gab es noch eine lustige Begegnung Anfahrt Schwalbenschanz. Du kommst nach Pflanzgarten die schnelle rechts um die Ecke, bleibst außen, um die recht enge Links zu treffen. Da gab es doppelt gelb. Ich gehöre zu der Art Fahrer, die dann tatsächlich langsamer machen und doppelt gelb nicht als Aufforderung sehen, richtig auf das Pedal unten rechts zu hacken und mal ein bisschen Zeit auf den Vorausfahrenden gut zu machen. Außerdem respektiere ich die Gesundheit der Marshals. Und ich glaube nicht, dass sie damit einverstanden sind, als Crash Test Dummy genutzt zu werden. Also Anker geworfen, was bei den Wetterverhältnissen auch eine passende Formulierung ist. Ich komm um die Ecke. Rechts ein Fabrikat der Firma X (Ich will jetzt nicht schon wieder auf einem bestimmten Fahrzeugtyp rumhacken und deren Eigner stilisieren), dessen Fahrer wohl entschieden hat „bei dem Wetter fahr ich nicht“. Links ein Fahrzeug der Streckensicherung. Soweit kein Problem, also ab durch die Mitte. Eben nicht. Zwischen den Fahrzeugen war leider ein Abschleppseil. Road closed. Ich denk mir noch, hm, das wird Erlebniswelt Nürburgring 2009 sein. Vielleicht hat sich der Veranstalter ein paar Zusatzaufgaben einfallen lassen. Du musst jetzt aussteigen, ein paar Mal übers Seil hüpfen und weiter geht’s. Dem war aber nicht so. Die Havarie wurde schnellstens beiseite geräumt, der erste Gang eingespannt und mein kleines keilförmiges Sportgerät Lillifee (den Zusatz hat sich das Auto verdient), sucht wieder gierig nach Vortrieb.

 

Die Döttinger Höhe ist bei Regen auf Slicks auch nicht wirklich lustig. Mit angepasster Geschwindigkeit geht’s bis zur Hohenrain. Da steht das Wasser. Wir aquaplanen so rum und plötzlich bist Du nur noch Passagier. Ich bin in der letzten Kurve vor der Einfahrt in die Box tatsächlich noch übers Grün gehoppelt. Nicht auszudenken, ich wäre da irgendwo eingeschlagen, oder hätte das Auto hinter der Leitplanke oder auf dem Dach geparkt! Ich stell mir das vor. Du rufst  etwas schmallippig die Box an.

 

555: „Bin inner Hohenrainschikane“.
Box: „O.k., dann bist Du ja gleich da. Sind ja nur noch 200 Meter“
555: „Hmm.“
Box: „Was genau heißt hmm?“
555: „Die Distanz stimmt. Ich habe nur ein Problem mit dem von dir erwähnten Zeitraum „gleich“. Könnten wir uns darauf verständigen, das „gleich“ in etwa vier bis fünf Stündchen sein kann. Genau genommen, bis das Rennen zu Ende ist und der Abschlepper mich auflädt. Ach, und legt bitte was raus, mit dem ich meinen Fahrernamen abkratzen kann.“

 

Von den Würgeattacken meiner Co-Fahrer mal ganz abgesehen, wollte ich auch nicht wissen, was auf den  Transparenten der Zuschauer gestanden hätte…
Ich komme in eine hoffnungslos überfüllte Box. Einar übernimmt. Das Auto wird seetauglich gemacht. Leider verlieren wir aufgrund der Überbelegung massiv Zeit, die uns am Ende um eine bessere Position bringt. Aber thats racing. Helm aus, trinken und die anderen Fahrer dürfen spielen gehen.

 

Cobra... übernehmen Sie!

 

Da ich Kai mittlerweile gut kenne, und ich weiß, dass er nie zu Übertreibungen und Stilblüten neigt, lege ich meine Hand dafür ins Feuer, das die Geschichte sich genau so zugetragen haben muss. Denn eines steht fest... am Sonntag nach unserem Rennen, bei der RCN, kam Frank Aust, der Teamchef und Fahrer des e46 zum Team und hat nachgefragt welcher Bekloppte ihn denn beim Startturn auf Slicks und im Regen pulverisiert hätte. Soweit also die Sichtweise unseres Rächer der Serienwagen und aller anderen Enterbten, unseres Regenkönigs der Eiskurve... oder war's das Brünnchen? Wie Einstein mal sagte: alles relativ!

 

Nun war es also an Einar sich freizuschwimmen. Nachdem noch kurz der Durst der Prinzessin gestillt war. Aber genau das war leichter gesagt als getan, wie Kai schon erwähnt hat! Chaos in der Box, weil knapp 200 Autos sich da gleichzeitig knubbeln und die sich alle auf drei gefühlte Zapfsäulen stürzen (in Wahrheit sind es glaube ich ca. 30 für die Normalos und die restlichen Drei für die Autos, die mit irgendwelchem merkwürdigen Zeug betankt werden, dass man eigentlich in Traktoren und Friteusen, aber nicht in Rennwagen schüttet). Knapp drei Minuten hat uns das Ganze gekostet. Drei Minuten, die wir auf den späteren Zweitplatzierten bei dem Stopp verloren haben. Und der war im Ziel eine Minute vor uns. Tja... that's racing. Auch das Team Derscheid hat in der Phase zu den Verlierern gezählt, auch die haben drei Minuten liegenlassen unter den gotteslästerlichen Flüchen von Michael Flehmer. Aber für „hätte, wäre, wenn“ kann sich keiner was kaufen! Es ist halt so... wer zuerst an der Tanke steht, der tankt zuerst. Und da waren erstmal zwei Porsche und dann der 190er Evo aus unserer eigenen Klasse. Und die Uhr hat unaufhörlich getickt. Die Zeit war weg und es war an Einar zu retten, was zu retten war. Auf unserem Zeitenmonitor setzte nun ein Erdrutsch ein und wir verschwanden in der Tiefe der Zeitenliste. Mit dem zielsicheren Angriff auf die rote Laterne, setzte auch meine Stimmung zum Sturzflug an. Höchste Zeit eine rauchen zu gehen!

 

Wir lagen auf P2 als Kai reingekommen ist und eine Runde später wurden wir auf P8 geführt. Gut, wir kamen von P7, insofern war es eigentlich nur ein Platz... aber wenn Du mal Vorne warst, willst Du da auch wieder hin. Gleich. Sofort. Jetzt! Zu dem Zeitpunkt war das Rennen etwas mehr als eine Stunde alt. „Bleib ganz ruhig, es sind noch fast fünf Stunden zu fahren.“ Das ganze Team erzählt mir das irgendwie... meine innere Stimme sagt mir das... aber trotzdem könnte ich gerade explodieren. Für 'ne besch*** Achterbahn ist Geld da, aber für'n Paar zusätzliche Zapfsäulen nicht! Dabei verkaufen die hier den Sprit doch ohnehin zu Apothekenpreisen. Man sollte doch meinen, dass sie an einem höheren Durchsatz ein Interesse haben könnten, oder?

 

Derweil dreht Einar seine Runden auf Regenreifen. Hinterher hat er zu Protokoll gegeben, dass er mit seinen Zeiten unzufrieden gewesen sei. Aber in den vier Runden die es wirklich nass war, war das egal. Da ging es eigentlich nur darum sauber durchzukommen und das hat Einar mit Bravur getan. Während die Streckensprecher Einschlag um Einschlag vermeldet haben, drehte Lilli brav ihre Runden. Nach vier Runden verkündet Einar über Funk, dass er nun genug von Regenreifen hat und wieder Profillose angesagt sind. Ah ha. Rund um uns rum werden fleissig die „Full-Wets“ montiert. Ob das wohl die richtige Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt ist? Der fällige Stopp kostet uns nochmal einen Platz. Aber von nun an sind wir konstant schneller als alles, was noch Regenreifen montiert hat. Und... wir haben bei jedem Stopp getankt und können Einar damit nochmal einen kompletten Stint fahren lassen. Einar bleibt nochmal acht Runden draussen. Wir wandern wieder bis auf P5 vor. Meine Miene wirkt wohl langsam wieder etwas entspannter. Derweil „prügelt“ sich Einar draussen mit dem zweiten der schwarzen Falken, der „550“. Hätte ich das zu dem Zeitpunkt gewusst, wäre es wohl Zeit gewesen mit dem Nägelkauen zu beginnen. Am Abend vorher hatten wir uns noch darüber unterhalten wie eben dieses Auto Einar beim einem früheren VLN Rennen mit einem unfairen Manöver in die Wiese geschickt hat und nun kämpft er mit denen um den Platz. Aber dieses Mal ist alles fair geblieben. Einar wusste später sogar respektvoll von einem mutigen Überholmanöver der „550“ zu berichten. Leider schlussendlich erfolglos. Leider? Na ja... nicht wirklich! Eat our dust!

 

Ende seiner 19. Runde kommt Einar rein und Markus übernimmt. Ich fummele das leere Camel-Bak raus und setze ein neues mit zwei Litern Wasser ein. Markus schiebe ich seinen Schlauch durch. Die Jungs haben Lilli derweil Vorne zwei neue Schlickes montiert und vollgetankt. Der übliche, kleine Service eben.

 

Schlauch, Wasser, trinken... da war was. Genau. Markus hat darauf bestanden seine eigene Trinkflasche zu benutzen. Warum auch immer. Als mehrfach gebranntes Kind habe ich verflucht lange darüber nachgedacht wie man das Problem mit der Wasserversorgung ein für alle Mal lösen kann und bin auf eine einfache, aber wirkungsvolle Idee gekommen. Es gibt ein Camel-Bak im Auto mit zwei Litern Wasser in einem isolierten Beutel. Daran hängt ein Schlauch und an dessen Ende ist ein Schnellverschluss an dem ein kurzer Schlauch mit einem Mundstück befestigt ist. Jeder Fahrer hat sein eigenes Mundstück und in dem Schnellverschluss ist ein Rückschlag-Ventil. Damit kann das Wasser aus dem Trinkbeutel nur in eine Richtung und das Wasser, das Kontakt mit dem jeweiligen Fahrer hatte (jetzt nur mal für die Hygiene-besorgten nebenbei erwähnt) steht in seinem eigenen, kurzen Stück Schlauch. Ha! Somit gibt es bei Bedarf immer frischen Tee mit Leitungswassergeschmack. Gut... an der Kühlung muss ich noch arbeiten. Aber immerhin besser als Durst! Nur Markus... der hat eben darauf bestanden ein Fläschchen mitzunehmen. Ich habe es ihm auch eingebaut. Hab' ihm auch den Schlauch durch die Gurtdurchführung gesteckt. Der war blos blöderweise so kurz, dass er nur zu benutzen war, wenn man ihn durch die LINKE Gurtdurchführung gesteckt hat. Ich habe ihn natürlich durch die RECHTE gesteckt. Büschen blöd jetzt. Kommt davon, wenn man unbedingt einen eigenen Keks geschnitzt haben will. Als Markus nach einer Runde anrief, um zu fragen wo sein Schlauch sei und er vergeblich versucht hat ihn in den Mund zu stecken, musste er dann doch auf das Lillifee-Standard-System zurückgreifen. Oder durstig bleiben. Er hat sich für ersteres entschieden. Das nächste Mal lassen wir das mit der Flasche gleich und gut!

 

Unser Benjamin legt sich gleich mit den großen Jungs an. Erstmal wird ein e46 fachgerecht vertoastet, dann der einzige andere e36 aus unserer Klasse und dann beginnt er einen rundenlangen Kampf mit dem späteren, zweitplatzierten Dolate e90, der sich irgendwann damit zufrieden gibt Lillifee brav hinterher zu fahren. Wir sind wieder auf P2!

 

Natürlich lässt Markus es sich auch nicht nehmen, einen Angriff auf Kais Bestzeit auf Lilli bis dahin zu starten. Der erste Versuch endet im Kies am Pflanzgarten. Markus kann aber durch das Kiesbett und wieder auf die Strecke fahren. Daniela, die unseren Boxenfunk übernommen hat ist live Ohrenzeugin des Ausritts. Er nimmt nochmal Anlauf und schafft eine 10:07. Eine schneller als Kais 10:08. Prima. Damit sind die Vorderreifen zwar hinüber, aber der Ehre ist Genüge getan. Eine Runde später wechseln wir und ich übernehme Lilli auf P2.

 

Ich muss ehrlich sagen, ich bin noch nie so nervös ins Auto gekrabbelt! Es lag nun an mir das Ding zu versemmeln. Mir war von vornherein klar, dass wir durch den Stopp nochmal einen oder eventuell sogar zwei Plätze verlieren würden, weil die Teams aus unserer Klasse durch das Anfangs-Chaos nun alle einen anderen Boxenstopp-Rythmus hatten. Die Frage war, wie weit ich dann vor dem nächsten Auto liegen würde und welches Team zum Schluss wohl nochmal ihre schnellsten Fahrer auf's Auto setzen würde. Einen Platz hat uns der Stopp gekostet und ich hatte danach eine Minute Vorsprung auf P4. Trotz der Nervosität waren meine ersten drei Runden gut. Ich wäre gerne noch schneller gefahren, aber die Reifen hatten ihre besten Zeiten definitiv hinter sich.

 

Eines war klar: kein unnötiges Risiko! Das ist aber ehrlich gesagt garnicht so einfach bei einigen der Phantasten, die da draussen rumeiern. Kann mir mal bitte einer erklären warum z.B. einer der Breitbau-Porsche wie blöd und wild lichthupend in der Fuchsröhre auf mich zufliegt? Meinst Du Witzbold, dass ich da Platz mache? Möchtest Du mir mal vorführen wie das in der Senke gehen soll? Im Gegensatz zu Deinem Raumschiff kennt mein Auto „Aerodynamische-Hilfsmittel“ höchstens aus Büchern und fährt nicht ab 60 von selber an der Decke. In der Kompression ist der Kasten mal kurz wieder 50 Meter weg. Schön, wenn man sich den Luxus leisten kann da zu bremsen! Dann machst Du ihm in der Rechts vorm Forst aussen Platz und fährst auf dem Brack noch schneller als das Spoiler-bewehrte Yuppie-Mobil auf der Ideallinie. Zum Dank knallt der Plastikbomber Dir dann in der Schikane auch noch die Tür vor der Nase zu, damit Du nochmal ankern musst. Tolle Wurst! Ist Dir eigentlich klar, dass Du an dem Punkt fast Dein eigenes Rennen beendet hättest? Nein? Nicht? Doch. Glaubst Du, dass meine Bremsen mit Deinen mithalten können? Da hast Du noch nie drüber nachgedacht, stimmt's? Macht aber nix. Meine Front ist stabiler als Dein Heck. Mein Rennen hätte der Einschlag nicht beendet, aber Deins. Echt clever! Die Posten haben es übrigens auch gesehen... es war nicht nur Einbildung! Nicht wirklich witzig! Aber nicht nur Porsches. Da war z.B. so 'n Dreierpack SP6 e46 in der Hatzenbach. Licht wie in 'nem Fussballstadion beim Länderspiel aber am Ausgang erstmal wieder aufholen müssen. Wieso erwartet Ihr eigentlich alle, dass man anhält, wenn Ihr kommt? Fahrt doch einfach vorbei. Leistung habt ihr doch genug.

 

Es gibt aber auch andere... der gelbe Compact z.B. Sauber Platz gemacht, vielen Dank! Oder der Clio der sofort aufgemacht hat, als ich an seiner Stoßstange war. Das ist „Miteinander“. Was rege ich mich eigentlich auf? Die, die es betrifft, werden es eh nicht verstehen!

 

Und dann war da noch das Duell mit der fahrenden Frittenbude. Sorry, Team Cybase... es riecht wirklich so. Der 320 liegt wie ein Brett in den schnellen Ecken, beisst richtig auf der Bremse, geht auch gut aus den Ecken... doch dann geht ihm irgendwann der Dampf aus. Wahrscheinlich saugen die Drosselklappen in dem Moment die Pommes an. Es war eine Art permanenter Ziehharmonika-Effekt. Er zieht mir weg, ich fahre dran aber dann ist in der Ecke kein Platz. Aus der Ecke ist er wieder weg und dann fehlt ihm obenrum aber wieder Druck. Ich habe einige Ecken gebraucht, bis ich verstanden habe, wie ich das Auto knacken kann. Im Kesselchen dann innen durch und gut. War an sich ein recht witziges Duell. Vor allem fair und wir haben uns beide Platz zum Leben gelassen. Ich hatte aber für sowas eigentlich keine Zeit...

 

...denn von hinten drücken unsere Klassengegner. Es war so, wie ich es vor dem Stopp vermutet hatte... auf fast allen Autos sitzen die wirklich schnellen Fahrer hinterm Steuer. Aber es gelingt mir, mich Vorne zu halten. In meiner letzten Runde knallt der Leuchtkeks irgendwo an mir vorbei. Ich schaue auf die Uhr im Cockpit und fange an zu rechnen. Das wird wohl nichts, ich werde wohl noch 'ne siebte Runde fahren müssen, der wird vor Sechs Uhr durch's Ziel fahren. Ist er aber freundlicherweise nicht. Und so werde ich auf P3 abgewunken.

 

Was etwas unglücklich war... der Winkende war leider so spät dran, dass ich es nicht richtig sehen konnte. Nun war ich mir nicht sicher ob das Ding rum ist oder nicht. Was machst Du da? Kachelst Du weiter ist das Käse, wenn Du aber nicht abgewunken worden bist und Dich holt einer ein, bist Du der Depp des Jahrhunderts. Aber dann sehe ich, wie in der Mercedes Arena einer der Mühlner Porsche langsam macht und grüsst und gleichzeitig bekomme ich die Bestätigung per Funk. Seltsam ist... keine Flaggen, keine grüßenden Posten. Dafür kachelt der schwarze Alzen Porsche an mir vorbei. Und nicht nur an mir. Aber das können die ja besonders gut: da überholen wo es das Rägglemänng eigentlich verbietet. Egal... sollen sich andere 'nen Kopp drum machen.

 

Das 6-Stunden-Rennen 2009 ist rum und wir haben es geschafft P3 zu halten. Hinter zwei e90. Der eine davon, der schwarze Falke, hat mich in meiner vorletzten Runde auf der Döttinger Höhe überholt. Äh ja. Von der Brücke bis zur Antoniusbuche hat er mir lässig 250 Meter verpasst. Man sollte nicht meinen, dass wir in der gleichen Klasse fahren! Ach... übrigens... er hat uns nicht überrundet! Nachdem er mich überholt hat, ist er nämlich in die Box abgebogen. Er und der Zweite sind blos 'ne Runde mehr gefahren als wir, weil sie vor dem Führenden über die Ziellinie sind. Ha! Aber auch das ist jetzt egal.

 

Ich brülle mir im Auto die Stimme aus dem Hals vor Begeisterung. Für mich war das wie ein Sieg, denn eigentlich haben wir gegen die e90 keine Chance. Und damit bleibt nur „Danke“ zu sagen. An's Team, für das perfekt vorbereitete Auto (dabei natürlich besonders an Markus der ja in Doppelfunktion tätig ist), einen Dank an meine Fahrer-Kollegen mit denen ich einen Mords-Spaß hatte UND die alle auch sau gut gefahren sind und einen Dank an Conny, der uns mit dem rechten Tipp zur rechten Zeit sicher auch wieder auf die richtige Bahn gebracht hat. Und das nächste Mal fahre ich wieder den Start. Ich will endlich mal wieder Gummi auf den Reifen haben! Wann das allerdings sein wird, steht noch in den Sternen!

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